und sonst

24-Stunden Segeln

24-Stunden Segeln

Hektik, Arbeit, Stress oder einfach nur schön?

Der Gennakerbaum kommt hoch und wir müssen während der Fahrt basteln – nicht so schön. Dann steht der neue Code 5. Steht wie eine Eins und zieht uns voran. Schön! Schlafen auf der Hinfahrt, während sich die Polka durch die Wellen kämpft, das kann nur Sam.

So einfach ist die Antwort also gar nicht, aber doch: Schön überwiegt!

Wie oft haben wir in unserem 24 Stunden Rennen gesagt: “Ein Tag mehr Vorbereitung, dann wäre alles Welten besser!”. Wir hatten zur Vorbereitung und zum Ausprobieren unserer neuen Segel genau einen Nachmittag und die Anreise von Wendtorf nach Möltenort. Vom Nachmittag haben wir ja bereits berichtet. Da ging alles daneben. Der neue Code 0 Stand genau 3 Minuten, dann flog der Spleiß vom Wasserstag weg, der Gennakerbaum stieg in die Höhe und wir konnten ihn wieder einrollen.

Den Freitag Morgen haben wir zunächst einmal mit Boot aufräumen verbracht. Dann mussten wir die Großschot anders anschlagen, die Backstagen etwas anpassen, den Gennakerbaum neu anbringen, die Spischot in die hinteren Blöcke legen und alles von Bord bringen, was da nicht hingehört. Immerhin wollen wir heute Abend mit drei Personen an Bord gehen und unsere Polka ist nicht gerade ein Raumwunder.

Von Wendtorf zum Start und auf dem Weg eine Winschkurbel gekauft

Die Arbeiten haben wir bis Mittags geschafft. Also los. Der Wind bläst ganz ordentlich aus Nordost. Leider wieder zu viel, als das wir uns den Code 0 trauen würden. Außerdem fehlt uns eine Winschkurbel. Wo ist die wohl hin? Also reffen wir das Groß und kommen mit einem Zwischenstopp in Schilksee (Winschkurbel und Schäkel kaufen) ohne weitere Besonderheiten in Möltenort an. Irgendwie fehlt uns die Übung oder das Selbstvertrauen ist noch nicht so da, jedenfalls wird das Anlegemanöver mal wieder abenteuerlich. Der Wind steht mit seiner vollen Stärke im Hafen. Beim Reinfahren kein Problem, da geht es noch genau gegenan. Leider ist der ausgewählte Liegeplatz schräg in die andere Richtung. Wir fahren einen weiten Bogen. Die Geschwindigkeit legt mit dem Wind deutlich zu. Jetzt muss ich etwas ausholen. Der Außenborder hat einen viel zu kleinen Schalthebel, der in Rückwärtsstellung etwas hakt. Das zusammen mit dem zu niedrig eingestelltem Standgas macht das Anlegen schwierig. Um den Rückwärtsgang einzulegen muss man sich weit runterbeugen und mutig den Gang reinhauen. Gefällt mir nicht, müssen wir ändern. Hier beim Anlegen jedenfalls geht der Gang erst im letzten Moment mit nur wenig Verriss im Ruder rein. Der direkt eingeleitete starke Rückwärtsschub verhindert das Schlimmste, so dass wir das Boot im letzten Moment vorm Einschlag in das Nachbarboot anhalten können. Kein Schaden entstanden, lediglich das Vertrauen in den Motor ist etwas eingetrübt. Das wird uns am Ende der Regatta noch ein paar Meilen kosten.

Wir essen den mitgebrachten Kuchen und trauen uns beide nicht, Kaffee zu trinken, damit die Verdauung in der Nacht nicht angeregt wird. Toilette haben wir ja nicht, nur einen Eimer. Um 18 Uhr ist Skipperbesprechung. Wir gehen beide hin, genießen eine kalte Apfelschorle. Die Gruppeneinteilung wird bekanntgegeben. “Diesmal ist auch ein echter “Racer” dabei, eine Super Calin, so was wie eine Pogo”. Oh Mann, damit sind wir gemeint. Keine Angst, wir segeln euch nicht davon. Wir haben das Boot nur aus Spaß.

Dann gibt es die letzten Wetterinformationen.

Der Wind bleibt zunächst NO um 4 BF, abnehmend. Später nachts soll es eine “Störung” geben, die sich langsam von Fehmarn Richtung Schleimünde bewegen soll. In der Störung herrscht Flaute. Danach scheint es etwas unklar zu sein. Zwei der drei Wetterberichte sagen danach Südwind voraus. Samstag wirds einstimmig weniger.

Schnell beginnen die Diskussionen. 23 Bootsbesatzungen überlegen sich, wie sie das Wetter zu ihrem Vorteil nutzen zu können. Wir gehen zurück zum Boot, inzwischen ist Sam angekommen.

“Gestartet wird nach der altbekannten 10 Minuten-Regel.” Die kennt Thomas, also auf gehts.

Wir kommen ganz gut raus aus dem Hafen. Draußen kreuzen die Meisten schon wild hin und her. Wir setzen unsere Segel. Der Wind weht immer noch ganz ordentlich genau in die Förde und somit nach dem Start genau gegenan. Daher entscheiden uns für das erste Reff im Groß und die kleine Fock. Das 10 Minuten Signal. Durch Überfahren der Startlinie melden wir uns noch einmal ganz offiziell zur Regatta an. (höchstens 10 Minuten vorm Start muss die Linie mit maximal 2 Bootslängen Entfernung zum Startmast überfahren werden. 10-Minuten-Regel, wieder was gelernt) Wir nehmen Kurs auf den hinteren Teil des Starterfeldes.

Die Spannung steigt, dann das 5 Minuten Signal, dann 1… Start. Vorne an der Startlinie sehen wir eine Beneteau Figaro, die quer in das Feld schießt und dann mit Powerwende über die Startlinie knallt. Die haben Nerven. Uns bleiben doch noch 24 Stunden?! Wir bleiben hinten und fahren am Heck von einem der ganz Großen vorbei um neben ihm auf die Ziellinie einzuschwenken, schön dicht, quasi ein bisschen Regattamodus.Der Skipper guckt genervt und meint: “Achtung, wir fahren Rückwärts!”. Hier lernen wir unsere erste Lektion für diesen Tag. Wenn ein Skipper bei einer Regatta sagt wir fahren Rückwärts, dann meint er das auch so und man sollte einen weiten Bogen machen, denn er fährt wirklich Rückwärts und da schwenkt auch schon sein Bug auf uns zu. Wir schaffen es unbeschadet an ihm vorbei zu kommen.

Da sieht man wieder, das man nur das sieht, was man erwartet. Für mich (Katrin) war klar: Das Boot fährt auf die Startlinie zu, was soll es auch sonst tun in einer Regatta. Tat es aber nicht. Vielleicht fehlt da auch noch der Überblick.

Start 24-Stunden Segeln

Nach dem Start reihen wir uns in die hinterste Gruppe mit den Booten um die 22 Fuß ein. Das wird beim Rauskreuzen aus der Förde auch nicht mehr besser. Ein oder zwei Boote können wir überholen, das wars. Als wir am Ende der Förde angelangt sind, kann man die ersten Boote grade noch am Horizont verschwinden sehen. Ok, wir hätten lieber die Genua von Anfang an setzen sollen. Ausgerefft haben wir schon lange. Die Genua haben wir gleich nachdem wir die Innenförde verlassen haben gesetzt.

Möltenort – Sonderburg – Wentdorf – Möltenort – Mönkeberg

Wir schlagen einen Kurs ein, der uns soweit wie möglich nach Norden bringen soll. Wir schaffen so in etwa einen Kurs auf Schleimünde zu. Das bringt uns später noch 2 Kreuzschläge ein, weil wir das U-Boot Übungsgebiet zwischen Damp und Schleimünde nicht ganz schaffen.

Der Sonnenuntergang ist wunderschön! Wir waren noch nicht oft nachts unterwegs und genießen das Licht.

Abendstimmung

Wir haben eine total unangenehme Welle schräg von vorne. Sehr kurz, steil und jede zehnte ist gut über einen Meter hoch. In der aufkommenden Dunkelheit sehen wir die anrollenden Wellen nur schlecht, so dass wir in viele unter lautem Knallen reinfahren. Unten hat sich Sam hingelegt. Unglaublich. Bei diesem Lärm und Gerappel muss man erst mal schlafen können. Sam schafft das einwandfrei. Kurz vor unserem ersten Hafen Sonderburg wecken wir ihn. Uns kommen hier bereits 5 Boote entgegen.

Wir kommen zusammen mit einer Bavaria 31 an, mit der wir uns bereits seit Damp ein kleines Rennen liefern. Wobei die ihr Glück unter Land versuchen und wir weiter draußen. Für unseren Kahn, hart am Wind, echt ein Erfolg.

Vor Sonderburg geben wir beim Segelrunterholen zu wenig Gas. Der Motor säuft ab. Es dauert ein paar Minuten, bis er wieder anspringt. Im Hafen legen wir uns kurz unter den Kran und suchen zunächst die Toilette, dann den Briefkasten zum Fotos machen. Die Besatzung der Bavaria steht schon davor. Sind total nette Leute. Sam hilft dabei, mit WhatsApp und dem Standort zurecht zu kommen.

Wir legen ab, setzen die Segel und setzen dann auch endlich auf einem raumen Kurs zum ersten Mal überhaupt unseren Code 5. Was ein tolles Segel. Die Polka ist direkt in ihrem Element. Zwar hat der Wind deutlich nachgelassen und die 10 Knoten Grenze und eine Gleitfahrt bleiben weiterhin nur ein Traum, aber der Code 5 beschleunigt uns von 4 auf 6 Knoten. Der Spaß dauert leider nur eine Stunde, dann nimmt der Wind wieder zu und wir hören uns mal wieder sagen: “Nur einen Tag längere Vorbereitung!” Der Gennakerbaum beginnt erst langsam, dann immer schneller zu steigen. Irgendwann, kurz bevor wir die magische 10 Knotengrenze durchbrechen, ist der Winkel so ungesund, dass wir das Segel einholen und erst einmal das Wasserstag verkürzen müssen.

Code 5

Dann ist es auch schon wieder vorbei mit dem Wind. Die Störung zieht durch und wir dümpeln vor Damp. Ich habe nie verstanden, warum sich die Minifahrer bei der Transat so über die Flaute geärgert haben. Kann man doch schön schlafen. Ja, wollen wir aber gar nicht. Also tüdeln wir an den Segeln. Hilft aber nix. Dann ist die Störung durch, der Wind hat auf südliche Richtung gedreht und wir fahren mal wieder auf einem Amwind-Kurs zügig nach Wendtorf. Da haben wir uns ein Fischbrötchen beim Kutter verdient. Vielleicht war das ein Fehler. Jetzt sind wir müde, satt und zufrieden mit uns und der Welt. Beim Rausfahren aus dem Hafen kommt auch gerade die Bavaria von heute früh an. So 45 Minuten haben wir ihr auf dem kurzen Stück mit raumen Kursen abgenommen. Racer eben ;-}.

Achteraus

Wir beschließen, den Rest der Regatta ruhig anzugehen. Keine gewagten Schläge mehr, nur noch die Häfen in der Umgebung abklappern und vor 20 Uhr über die Ziellinie fahren. Wir steuern Strande an. Der Wind kommt jetzt genau von achtern. Auf dem Weg dorthin werden wir von zwei Seglern beschimpft, die weit neben der Fahrrinne meinen Vorfahrt zu haben. Wie kommen die darauf? Dadurch leicht verunsichert sehen wir uns kurz vor Strande noch einmal den Hafenplan genauer an. Oh man. Direkt hinter der Linie wo der Motor angemacht werden darf ist der Strand. Und das mit unserem Motor, dessen Standgas wir nicht eingestellt haben und der schon einmal nur schwer angesprungen ist. Hätten wir nur einen Tag mehr Vorbereitungszeit gehabt. Kurz vorm Hafen schauen wir uns drei in die Augen und lassen es gut sein für dieses Mal. Wir sind inzwischen sehr müde. Jetzt keinen Fehler machen, nachdem alles so gut gelaufen ist. Noch ein Schlag nach Möltenort. Da warten wir, bis wir nach 18 Uhr in Mönkeberg wieder über die Ziellinie gehen können.

Zieleinlauf

Nach dem alles so gut geklappt hat: Ja, das hat Spaß gemacht, gerne wieder und nächstes Jahr sind wir besser vorbereitet.

 

Herzlichen Dank an die Veranstalter dieser tollen Regatta!

 

 

 

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