MINImal leben Wandern

Kungsleden für Anfänger

Kungsleden Tjäktja Pass

Ist der Kungsleden auch für Anfänger geeignet?

2019 habe ich mich mit dem Zelt auf die klassische Route von Abisko nach Nikkaluokta gewagt. Weil mir das so gut gefallen hat, möchte ich hier gerne meine Erfahrungen aus Sicht einer Erstwanderin teilen. Beschreibungen der Route gibt es genug im Netz, aber ist der Weg wirklich anfängertauglich? Auch für eine Schreibtischfrau Anfang 50 ohne Erfahrung im Wandern? Ich war Mitte Juli unterwegs und kann nur über diesen Zeitraum berichten. Mich hat diese Reise tief beeindruckt und ich kann sie auch Anfängern sehr empfehlen! Die Landschaft ist grandios und das Übernachten im eigenen Zelt irgendwo am Weg vermittelt ein herrliches Gefühl von Freiheit. Wenn da nur nicht die Mücken wären.

Mücken

In Abisko gab es kaum Mücken und die haben friedfertig gesummt. So ein schöner Singsang, wie die schwedische Sprache. Aber Vorsicht! Alles Tarnung. Ab dem Tjäktja Pass gab es sehr viele Mücken und die haben sich über mein Antimückenmittel (in einem deutschen Treckingshop, aber schwedische Marke und angeblich selbst getestet) nur lustig gemacht. An der Abzweigung nach Nikkaluokta habe ich völlig zerstochen aufgegeben und bin abgebogen. Sonst wäre ich gerne noch weiter bis Kvikkjokk gegangen.

Was kann man tun? Als ich schon aussah wie ein Streuselkuchen habe ich ein schwedisches Paar gefragt das in kurzem Hemd und Shorts vor mir stand, völlig ohne Stiche auf den Armen und Beinen. Ihre Wunderwaffe: MYGGA. Das besorge ich mir für den nächsten Tripp. Und was dem Segler die Musto-Evolution-Angeberhose ist dem dem Kungsledenwanderer die Fjällräven-Hose aus G-1000 Gewebe. Die ist Mückendicht. Hätte ich das gewust! Mückendichte Hemden soll es auch geben. Was ich glücklicherweise dabei hatte war ein Moskitonetz, das ich über einen Hut geworfen getragen habe. Das hat mir die Mücken vom Gesicht ferngehalten. Und mein Zelt hatte ein Innenzelt aus Netzgewebe auf dem die Mücken nur auf mich lauern konnten. Ich sag nur: Die armen Rentiere.

Kondition

Als ich Thomas gesagt habe, ich gehe wandern, hat er sofort gesagt: Dann müssen wir üben. Ich so: “Och, ich gehe halt langsam. Wird schon.” Im Februar sind wir im Schneeregen 24 Kilometer um den Westensee nördlich von Kiel gelaufen. Ohne Gepäck. Danach wusste ich: Kälte ist so lange man in Bewegung bleibt kein Problem aber: Ich muss trainieren. Ganz zum Schluss tat mir nämlich meine Hüfte weh. Das hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Werde halt auch nicht jünger. Wir sind dann noch ein paar Mal gelaufen inklusive einer Dreitagestour auf dem Rennsteig. Mit dieser Vorbereitung war der Kungsleden von der Kondition und den Gelenken her kein Problem. Wenn ich müde war, habe ich mein Zelt aufgebaut, eine Runde gelesen und geschlafen und dann bin ich voller Elan weitergelaufen. Allerdings langsam.

Wanderstöcke

Ich bin eine Marathonschnecke. Zunächst war ich ein wenig frustriert, weil mich alle, wirklich alle, überholt haben. Außer einer Familie mit Kleinkind. Nach einer Weile habe ich aber gemerkt, dass mich immer die gleichen Leute überholen. Die waren zwar schneller, haben aber mehr Pausen gemacht. Mich hat die Beschaffenheit des Wegs ausgebremst. Wenn die oberste Erdschicht abgelaufen ist, kommen darunter runde Findlinge hervor und man muss jeden Schritt bewust setzten. Jedenfalls als nicht so trittsicherer Anfänger mit Schiss vor Stürzen. Die Stöcke vermitteln da viel Sicherheit, spätestens beim Überqueren des ersten Bachlaufs sind sicher alle Wanderer auf dem Kungsleden von ihren Stöcken überzeugt.

Bachlauf auf dem Kungsleden

Wichtig an den Stöcken war mir der Verschluss der Teleskopteile. Bei meinen Stöcken werden die Teile nicht verdreht sondern mit einem Klickverschluss gesichert. Das hat immer gut gehalten wenn ich die Stöcke belastet habe. Nichts schlimmer als wenn man sich auf den Stöcken abstützt und die geben nach.

Wasser

Ich hatte zwei Trinkflaschen dabei. Das war übertrieben. Es gibt zumindest im Sommer überall Wasser, überall! Das Wasser habe ich ohne Vorbehandlung getrunken und hatte keine Probleme damit Es ist sehr schön, direkt aus einem Bach zu trinken. Vor der Tour fand ich die Holztassen, die man auch noch in der Station in Abisko kaufen kann albern, aber jedesmal wenn ich Wasser mit meiner Blechtasse geschöpft habe dachte ich Holz wär doch noch schöner. Allerdings wiegt so eine Tasse ja auch was.

Auf dem Kungsleden findet man überall Wasser

Gewicht

Ich bin mit einem Rucksackgewicht von knapp 14 Kilo gestartet. Ich denke, mehr sollte es auch nicht werden. Also vielleicht doch keine Holztasse. Wäsche kann man unterwegs waschen. In den Hütten gibt es Trockenräume in denen man Wäsche und Stiefel trocknen kann. Wenn ich sehr schlechtes Wetter gehabt hätte, hätte ich das sicher ausprobiert. 

Hütten

Die Hütten liegen in gut zu schaffenden Abständen am Weg. Ich habe nie darin übernachtet, aber für den Notfall sind sie da und das war sehr beruhigend. Leider kann man in den Hütten nur sehr begrenzt essen kaufen.

Essen

Ich war überrascht, wie sehr mir gutes frisches Essen gefehlt hat. Die Tütengerichte, die ich dabei hatte haben mir nicht geschmeckt, dabei hatte ich in gute Qualität investiert. In den Hütten gab es nichts frisches zu kaufen. 

Kocher

Ich hatte unseren Jetboil Gaskocher vom Boot mit dabei. Der ist recht sperrig, ich habe den Luxus von warmem Haferbrei und Tee aber sehr genossen und würde ihn wieder mitnehmen. Ein Gaskartusche bekommt man an der Station in Abisko. Wenn sich schon aus Tüten ernährt, sollte man wenigstens einen langen Löffel dabeihaben.

Kochen mit dem Jetboil auf dem Kungsleden

Navigation

Ich hatte keine Papierkarte dabei. Der Weg ist wirklich nicht zu verfehlen. Ich hatte mir einen GPX-Track aufs Handy geladen und hatte die Topografischen Karten in der App Swedish Mountain Maps auf dem Handy dabei. Handyempfang gibt es auf dem Kungsleden nicht, aber GPS funktioniert auch im Flugmodus. Ich hatte ein Akkupack dabei und keine Probleme mit dem Strom. In den Hütten gibt es übrigens keinen Strom.

Zelten

Ich habe immer im Zelt geschlafen und fand es großartig! Für mich hat das den Reiz dieser Reise ausgemacht. Im Sommer ist es auf dem Kungsleden immer hell genug zum Laufen. Die Sonner verschwindet nur kurz hinter den Bergen aber richtig dunkel wird es nicht. Man kann also zu den verrücktesten Zeiten aufstehen, ein paar Stunden gehen und sich wieder hinlegen ohne dabei jemanden zu stören.

Fazit

Ich als Anfänger auf dem Kungsleden

Ist der Kungsleden für Anfänger geeignet? Ja, aber gebt alles um euch vor den Mücken schützen zu können falls ihr das Pech habt, auf welche zu treffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.