Wandern

Trekking in Dänemark oder vom Versuch den Øhavsstien zu wandern

Øhavsstien

Im Juli 2020 habe ich 9 Tage Zeit und will mit meinem Zelt alleine wandern gehen. Der Einfachheit halber soll es Dänemark werden. Da darf man trotz Corona hin und es gibt dort zwar nicht das Jedermannsrecht, aber immerhin Shelter und einfache Zeltplätze.

Ich kann mich nur nicht entscheiden zwischen dem Øhavsstien und dem Kyst til Kyst-stien. Weil es regnet verschiebe ich meine Abreise um einen Tag und lese beim Frühstück, dass man auf dem Kyst til Kyst bei feuchtem Wetter besser Gummistiefel mitnimmt. Also besser doch der Øhavsstien. Bei dem angesagten schlechten Wetter für die ganze kommende Woche wird die Gegend auch nicht so überlaufen sein wie sonst. 

Ein Plan ist ein Plan ist ein Plan

Ich fahre mit dem Auto bis zur Fähre in Fynshav. Der Plan sieht wie folgt aus: Mit der Fähre nach Bøjden und von dort zum Anfang des Øhavsstien nach Falsled. Dann dem Wanderweg bis nach Svendborg folgen. Über die Insel Tåsinge am schönen Svendborgsund entlang nach Rudkøbing. Dort die Fähre nach Marstal nehmen, über die Insel Ærø laufen und mit der Fähre von Søby wieder nach Fynshav. Also eine schöne Rundtour.

Die Ausrüstung

Ich habe mein einfaches Einmannzelt dabei, Isomatte, Schlafsack. Zum Kochen gibt es einen Jetboil mit halbvoller halbvoller Gaskartusche, einen Becher und einen Göffel. Zum Essen gibts Porridge fürs Frühstück und ein paar Portionen Fertigessen. Verpflegung sollte es unterweg ab und zu geben, deshalb habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht.

Geldsorgen

Am Sonntag geht es los. Eigentlich dachte ich, da wären noch Dänenkronen vom letzten Jahr. Die sind aber nicht auffindbar. Also steuere ich in Sonderburg einen Automaten der Danske Bank an, Karte rein, Betrag angeben, Nummer eingeben. “Transaktion vom Kartenaussteller abgewiesen”. Das ging doch letztes Jahr problemlos. Bei der Sydbank ist es das gleiche. Im Supermarkt kann ich mir aber Kekse kaufen und Euros hab ich auch ein paar dabei. Leider kann man auf manchen primitiven Zeltplätzen nur bar zahlen. Aber vielleicht komme ich ja unter der Woche an einer Bankfiliale vorbei und kann Kronen am Schalter wechseln.

Von Bøjden nach Falsled

Fähre von Fynshav nach Bøjden

Wandern ist nicht immer schön

Also rüber mit der Fähre nach Bøjden  Der Weg geht entlang der Bundesstraße 8 und es gibt keinen Fuß- oder Radweg sondern nur einen schmalen Seitenstreifen. Der Weg führt übers freie Feld und der stürmische Wind zerrt an meinem Rucksack. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Nächstes Mal würde ich die Fähre um 11 Uhr nehmen, und dann den Bus 863U  12.43 bis Pindsvinevej nehmen. 

Die Dänen sind hilfsbereit

Eine Dänin in meinem Alter hält ihren kleinen Wagen neben mir. Ob sie mich mitnehmen kann? Ja gerne! Ihr kleiner Hund kommt kurzerhand auf ihren Schoß und dann geht es los. Woher, wohin? Sie bietet mir gleich an, mich kurz nach Faldsled zu fahren. Aber das schlage ich dann doch aus. Ich hoffe, dass der Weg ab Horne schöner wird und der Tag war ja auch zum Einlaufen gedacht. Ab Horne gibt es wirklich weniger Autos und mehr Hecken. Dafür ist aber auch der Seitenstreifen weg. 

Am Øhavsstien angekommen

Am Ende des Honregyden treffe ich auf den Øhavsstien und ab hier wird es schön. Ich gehe bis zum Campingplatz in Faldsled. Hier suche ich einen Platz und kann mir am Automaten ein Ticket für die Nacht ziehen. Eigentlich war der Campingplatz nur eine Notlösung weil es hier in der Nähe keinen primitiven freien Zeltplatz gibt. Bei dem anhaltend schlechten Wetter bin ich aber froh, einen Unterstand nutzen zu können. Aber erst gehe ich noch am Hafen vorbei und esse am Imbiss einen leckeren Lachsbagel. Sehr zu empfehlen!

Von Falsled nach Faaborg

Nachts geht ein Gewitter über den Platz, aber mein Zelt bleibt dicht. Ich hänge es morgens zum Trocken unter einen Unterstand und gehe Duschen. Auch ein Vorteil vom Campingplatz. Ich hatte mir ja eher jeden Morgen ein Bad im Meer vorgestellt, aber bei dem Wind hab ich dann doch keine Lust. Es stürmt regelrecht. Egal. Jetzt geht es auf dem Øhavsstien erst wieder ein Stück zurück und dann nach Norden in die Hügel von Svanninge Bakker. Das ist ein Naturschutzgebiet das überraschend idyllisch ist. An einem schönen Tag könnte man hier schön die Seele baumeln lassen, mich erwischt hier aber ein gemeiner Schauer und treibt mich weiter. Ich lande in einem Imbiss und esse für teuer Geld schlechtes Essen in einem immerhin Trockenen tristen Raum. Draußen sitzen zwei junge Frauen die stolz erzählen, dass sie den ganzen Øhavsstien gegangen sind. Im nachhinein hätte ich viele Fragen dazu gehabt, aber so weit bin ich noch nicht. Ich sehe zu, dass ich in einer Regenpause zum Campingplatz Faaborg komme. Zelt aufbauen und im Aufenthaltsraum lesen bis es Zeit wird mich in den Schalfsack zu kuscheln.

Von Faaborg nach Skarø

Als ich aufstehe scheint die Sonne. Wie schön! Aber das ist zum Frühstück schon wieder vorbei. Ich folge dem Wanderweg bis Fjællebroen. Der Weg ist auf dieser Stecke wirklich schön und abwechslungsreich. Eine echte Überraschung ist das Schloss Holstenshuus, durch dessen Garten man gehen kann.

Nach Fjællebroen erwischt es mich aber so richtig. Ich laufe am Ufer entlang als von hinten mies dunkle Wolken schnell aufziehen. Es gibt auf diesem Stück Küste keine Häuser oder Hecken, nur ganz da hinten… Ich sehe also zu, dass ich vorwärts komme. Als ich das Häuschen erreiche ist es aber fett als privat gekennzeichnet. Weiter hinten steht ein Schloß und die Koppeln haben schöne weiße Zäune. Ich ducke mich wenigstens unter die private Hecke bis dem Unwetter die Kraft ausgeht. Mein heutiges Ziel den Syltemae Camping erreiche ich schon am frühen Nachmittag. Ich habe aber keine Lust mehr auf Aufenthaltsräume und beschließe, bis Svendborg durchzulaufen und die Fähre nach Skarø zu nehmen. Das ist zwar noch ein gutes Stück zu gehen, sollte aber machbar sein. 

Dänische Engel

Leider merke ich schon nach wenigen Kilometern, dass ich mir eine Blase gelaufen habe. Meine Schuhe und Socken sind trotz Gore-Tex komplett durchweicht. Ich habe zwar noch ein Paar Socken dabei, aber die wären in den nassen Schuhen ja auch sofort nass. Also weiter. Der Weg führt wieder ohne Radweg an einer Straße entlang. Ach menno. Das hab ich mir anders vorgestellt. Als es der Weg endlich wieder in die Pampa abbiegt setze ich mich auf einem verlassenen Wendehammer auf einen Stapel Paletten und sehe nach meinen Füßen. Das sieht nich gut aus. Da fährt ein kleines altes Auto auf den Wendehammer und hält an. Na da gebe ich ja ein tolles Bild ab, so durchweicht mit meinen nackten Füßen auf den Paletten. Nach einer Weile steigt ein alter Herr aus und fragt, ob er mich mitnehmen kann. Er fährt mit seiner Frau nach Svendborg. Ja, können die beiden gerne! Es wird eine lustige Fahrt. Die beiden kriegen sich kaum ein, wie man auf die Idee kommen kann, nach Svendborg zu laufen und setzen mich direkt an der Fähre nach Skarø ab. Danke! Das wäre sonst noch ein unerfreulicher Tag geworden.

Skarø

Auf Skarø gibt es einen primitiven Zeltplatz, also eine Wiese mit einem Toilettenwagen und es gibt einen Aufenthaltsraum mit Kochgelegenheit. Die Atmosphäre auf der Insel hat mir sehr gefallen. In einem kleinen Café gibt es lecker Waffeln, das Dorf ist idyllisch und überall spürt man das Meer. Eigentlich soll es möglich sein, die Sanitäranlagen im Hafen zu benutzen, aber ich habe den Hafenautomat nicht verstanden. Egal.

Auf jeder Insel gibt es so einen Zeltplatz und bei schönem Wetter könnte ich mir auch gut vorstellen, einfach von Insel zu Insel zu ziehen, baden, faul in der Sonne dösen, lesen. Aber da ziehen auch schon die nächsten Wolken auf. Ich gehe morgen lieber wieder wandern.

Von Skarø nach Hegnet

Auf die heutige Tour habe ich mich sehr gefreut, denn es soll entlang dem Svendborgsund gehen, den ich schon vom Boot aus mehrmals gesehen und wunderschön gefunden habe. Aber zunächst mache ich einen Stadtbummel durch das schöne Svendborg und besorge mir auch Blasenpflaster.

Dann geht es über die Svendborgsund Brücke. Da bin ich schon mal drüber gelaufen und erwarte nichts gutes. Die Aussicht ist nicht so schön, dass sich der Mühe lohnt, aber ich bin ja nicht zum Busfahren hergekommen, irgendwie gehört das halt zur Strecke. Auf den nächsten Kilometern bin ich dann aber doch sehr enttäuscht. Von dem Svendborgsund sieht man nämlich vom Wanderweg aus nichts, aber auch gar nichts. Anscheinend war es nicht möglich, den privaten Besitzern der Grundstücke am Sund einen Trampelpfad abzuluchsen.

Schade, hätte ich das gewusst, hätte ich versucht, die Strecke mit dem Ausflugsdampfer M/S Helge zu machen.

Der Wald hinter Valdemars Schloss wird dann noch richtig schön bevor die langen Geraden auf Straßen folgen. Das darf doch nicht wahr sein. Eine Zeit lang läuft der Weg sogar an der B9 entlang. Das ist wirklich nicht schön. Mein Abzweig bis zum Shelter und Zeltplatz Hegnet ist zwar nicht so viel befahren, aber auch nicht schön. Der Platz liegt dann allerdings sehr schön direkt am Wasser mit Blick auf die Brücke nach Rudkøbing. Der Wind hat auch endlich nachgelassen und so wird es ein schöner Abend am Meer.

Von Hegnet nach Fynshav

Shelter Hegnet

Der Øhavsstien würde mich heute tatsächlich entlang der B9 über die Brücke nach Rudkøbing schicken. Mal ehrlich, das kann man doch nicht wandern nennen?! Da hat sich irgendein Büromensch gefreut, dass der Wanderweg so beeindruckend viele Kilometer lang ist, gewandert ist er die Strecke aber sicher nicht selbst. Das muss anders gehen, ich suche mir einen Bus.

Von Rudkøbing nehme ich die Fähre nach Marstal. Den Wanderweg auf Ærø bin ich zum Teil schon gelaufen und fand ihn sehr schön. Allerdings regnet es jetzt schon wieder in Strömen und der Wetterbericht für morgen sieht nicht besser aus. Also nehme ich den Bus nach Søby und setzte fahre mit der Fähre zurück nach Fynshav zu meinem Auto. Das ist übrigens eine E-Fähre!

Was ich gelernt habe

Traue keinem Wanderweg den du nicht selbst gegangen bist. Bloß weil es Wanderweg heißt, muss man darauf nicht wandern können. Wer den Øhavsstien wird in Dänemark mit endlosen zugigen Straßen ohne Fahrradstreifen bestraft und wer auf dem Weg bleibt ist auch nicht davor sicher. Nicht so schöne Strecken mit Bus, Bahn, Schiff zu überbrücken macht Sinn und mehr Spaß.

In nassen Schuhen läuft man sich Blasen. Helfen da wasserdichte Socken?

Besser zwei ganz kleine Flaschen Seife mitnehmen als eine kleine. Wenn die eine Flasche weg ist, gibt es sonst im Zweifel nur eine große im Supermarkt nachzukaufen. Zusammen mit der Flasche Sonnenmilch macht das ganz schön viel Gewicht.

Die Dänische Südsee ist, wenn die Nordrhein-Westfalen Ferien haben, sogar im Sommer überlaufen.

Die Dänen sind ein tolles Volk!!! 

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