Minutenfilme Stand der Dinge

Die erste Fahrt mit der POLKA

Wir haben einen kleinen Film gedreht über die erste Fahrt mit unserer Polka.

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https://youtu.be/lxBsOt3rJw0

 

Der erste Tag

Die Dämmerung zieht auf, ganz langsam wird es kühl. Die feuchte Luft kriecht uns die Hosenbeine und Ärmel hoch. Wir sind querab von Dame. Der wenige verbleibende Wind kommt schräg von vorne, wir überlegen, ob denn gleich Wind einsetzen wird, wenn sich das Land abkühlt. „Das Wasser ist wärmer, da steigt die Luft auf. Luft wird vom Land auf die See gezogen. Wir sollten näher unter Land fahren. Dann kommen wir noch im Hellen nach Großenbrode“.

Wir sind heute Morgen mit dem Zug von Kiel nach Travemünde gefahren, um unsere Polka abzuholen. Endlich, sie soll nach Wendtorf mit einem Zwischenstopp in Heiligenhafen gebracht werden. Gegen 11 Uhr kommen wir im Passathafen in Travemünde an. Die Nachbarn haben, wie die Meisten, Spaß an der Polka. Ein Mini 6.50, der aus Mangel an geeigneten Liegeplätzen etwas verloren in einer Box für 15 Meter Schiffe steht.

Mini 730 Polka

Wir plaudern ein wenig mit den Nachbarn, als hätten wir alle Zeit der Welt. Mittags waren es ja auch noch 2 – 3 Windstärken. Und kurz hoch nach Heiligenhafen, sollte im Hellen ja kein Problem darstellen.

Die Fahrt beginnt dann auch recht vielversprechend. Wir laufen mit 5 – 6 Knoten mit halben Wind und sind schnell auf Höhe Grömitz. Unsere erste Fahrt mit der Polka. Sie liegt gut am Ruder, reagiert sofort und hat einen tollen Geradeauslauf. Wir kommen ins Schwärmen. Alles richtig gemacht, genau das richtige Boot für uns… Nachmittags wärmen wir uns auf dem Einflammer unser mitgebrachtes Essen von gestern auf, super.

Na und jetzt dümpeln wir kurz hinter Dame immer noch so vor uns hin. Der Landwind hat natürlich nicht eingesetzt. Ich mache die Positionslampe am Masttop an. Mist, sie bleibt dunkel. Also unsere erste Nacht mit der Polka ohne Beleuchtung? Irgendwo krame ich eine Taschenlampe hervor. Etwas Licht machen ja auch noch die Handys. Zumindest würde das reichen, die Segel anzuleuchten. Und solange wir an der Küste bleiben, könnte höchstens mal ein Fischer vorbeikommen.

So dümpeln wir weitere zwei Stunden ganz langsam Richtung Nord. In der Ferne sieht man jetzt die Lichter von Großenbrode. Bei der Geschwindigkeit schätzen wir noch drei Stunden. Ich fange an zu quengeln. „Wir haben nicht mal ein Bier dabei. So kommen wir erst um zwei Uhr morgens an. Kommen nicht mehr ins Waschhäuschen. Bla bla bla.“

Irgendwann habe ich Katrin soweit. Wir machen den Motor an und ab geht’s. Nach einer knappen halben Stunde ist der interne Tank leer und der Motor aus. Hätte ich dran denken können. Wir haben einen Ersatzkanister dabei, füllen den internen Tank auf und irgendwann, viel später, erwecke ich den heißen Motor nach unendlichen Zügen am Anlasser und Trockenlegen der Zündkerze wieder zum Leben. An einen Außenborder muss man sich auch erst gewöhnen. Mittlerweile haben wir übrigens den Dreh raus und er springt an, wie ein Döppken. Wir versuchen noch zwei Mal den Motor auszukuppeln und zu segeln. Ohne Erfolg. Der Wind hat sich für den Rest der Nacht verabschiedet.

Die einzige Navigation auf dem Törn war Google Maps mit dem Handy. Die Einfahrt in den Binnensee vor Großenbrode gestaltet sich somit auch viel spannender als erhofft. Immerhin schaffen wir es, mit der nicht mehr ganz taufrischen Taschenlampe den Tonnenstrich zu finden.

Kurz nach Mitternacht machen wir in Großenbrode an der Klemenswerft fest. Direkt vorne am Kran gibt es noch einen freien Platz. An Bier ist jetzt nicht mehr zu denken. Immerhin bekommen wir den Toilettencode von einer verschlafenen Gestalt genannt.

Und dann haben wir doch noch Glück. Beim Beine vertreten entdecken wir vorne am Bistro eine geschlossene Gesellschaft. Hochzeit! Wir beiden sehen wohl so mitleiderregend aus, dass uns die Bedienung zwei Flaschen Bier verkauft. Die genießen wir am Ende eines schönen Tages Arm in Arm mit Blick auf die Ostsee. Hat Spaß gemacht unsere erste Fahrt mit der Polka.

Der zweite Tag

Wir stehen früh auf und bezahlen unser Liegegeld. Mit einem 6 Meter 50 Bötchen ist das wirklich erfreulich. Dann besorgen wir uns noch ausreichend Essen und Trinken.

Wenn man in der Klemens Werft liegt und dann auch noch direkt unter dem Kran, dann wird man gebrutzelt. Hier weht KEIN Wind, die Luft steht und erwärmt sich ins unerträgliche. Hals über Kopf verlassen wir den Hafen.Immerhin wissen wir jetzt, warum ein Platz direkt vorne frei war.

Draußen auf dem Binnensee begrüßt uns ein frischer Wind aus West. Wir setzen schon mal das Groß und fahren dann unter Segel raus aufs Meer. Mit Genua und Groß schießt die Polka direkt auf gute 8 Knoten. Hier sind die Wellen auch noch sehr moderat. Das macht tierisch Bock.

Aber nur so lange, bis wir am Fehmarnsund sind. Die Fahrrinne liegt genau gegenan. Nicht wirklich der Lieblingskurs eines Minis. Wir eiern eine halbe Stunde hin und her und geben dann auf. Ist uns dann doch etwas viel, gegen den Wind durch den Sund und dann auch noch ohne jegliche Navigation. Also Spaß haben und einfach mal fahren.

Mit den Backstagen sind wir immer noch unsicher. Wir nutzen die Zeit und üben das Ganze ein wenig, während der Wind weiter zunimmt und so langsam „Spaß-Stärke“ erreicht. Gut ist es, wenn sich einer bei der Wende mit dem Gesicht zum Heck hinkniet und die Backstagen bedient. Mit ein wenig Übung bekommt man alles hin. Fock loswerfen, das alte Luvbackstag lösen und das neue festziehen und dann schnell, bevor es zu schwer wird, die Fockschot einstellen. Beim Einhandsegeln muss man zusätzlich noch mit dem Autopiloten in kleinen Schritten die Wende fahren lassen.

Den Spruch „ein Boot, segeln – zwei Boote Regatta“ kennen wir ja schon. Ist auch manchmal so. Mit dem Mini passiert das, wie wir heute lernen deutlich öfter. Ein paar Mal drehen andere Segler abrupt um und fahren uns hinterher. Wir lassen uns auf wenig ein, nur eine Sprinta auf dem Weg zurück nach Großenbrode schaffen wir mit Hängen und Würgen.

Mir fällt ein alter Marius Müller-Westernhagen Song ein: „Die Gitarren verstimmt und es ging tierisch los, doch wir hielten uns für Genies“. Für uns eher „die Segel vertrimmt und es ging tierisch los…..“.

Wir steuern die Marina Großenbrode an. Da lagen wir mit unserem ersten Boot, der „Wasserläufer“, einer Delanta 80. Wir legen erst einmal unter dem Kran an und dann wird es so richtig nett. Kaum haben wir festgemacht, kommt auch schon der Hafenmeister angestürmt. Etwas verunsichert stehen wir wie die Schulkinder da. Aber er begrüßt uns mit den Worten: „Ich war schon auf dem Weg nach Hause, da sah ich euch in den Hafen fahren und dachte das ist ein Mini. Da bin ich gleich wieder zurück!“.

Es stellt sich raus, dass er ein absoluter Mini 6.50 Transat Fan ist. Nachdem wir ihm alles über den Kleinen erzählt haben, kann er dann doch noch Feierabend machen. Er wird sich freuen. Lina Rixgens „MINIDOC“ hat seit neuestem den Liegeplatz in “seinem” Hafen gefunden.

Wir bekommen noch einen schönen Platz zugewiesen und bleiben zwei Wochen hier, bevor wir den zweiten Versuch starten, die „POLKA“ nach Heiligenhafen zu überführen.

 

Der dritte Tag

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, seit wir die  „POLKA“ in der Marina Großenbrode abgestellt haben. Wir sind zwischenzeitlich mit unserer Sunwind 311  „ARGO“ von Wendtorf nach Heiligenhafen gesegelt. Dort wollen wir zwei Wochen mit den Kindern auf dem Boot Urlaub machen. Die Kinder haben keine Lust mehr auf Segelurlaube. Lieber in den Süden fliegen.

Die „POLKA“ wollen sie aber doch kennenlernen. Anna, Tim und ich wollen heute den zweiten Versuch unternehmen, die „POLKA“ nach Heiligenhafen zu bringen. Das Boot finden sie ganz cool, nur etwas gammelig. Recht haben sie. Da der Wind aus SW kommt,

traue ich mich nicht, das Groß bereits im Binnensee zu setzen. Draußen bekomme ich es dann nicht mehr gebacken. Der Wind ist deutlich stärker als gedacht und irgendwie kriegen wir bei den Wellen das Boot nicht genau gegenan gestellt. Immer wieder weht das Großsegel aus. Der Baum hat ja keine Dirk und liegt hinten auf. Mit etwas Seitenwind wehen die 10 Meter Segel zur Seite aus. Sie dann wieder einzufädeln und hochzuziehen gelingt mir nicht. Nach mehreren Versuchen gebe ich entnervt auf. Wir binden die Wulst zusammen und fahren nur mit Genua. Auf dem raumen Kurs zum Sund reicht das aber allemale. Kaum ist die Schot dichtgeholt rauscht die “POLKA” auch schon los. Mit lautem Gurgeln schießt die “POLKA” richtung Sund. Tim steuert und hat sichtlich Spaß. Anna ist noch ein wenig geschockt von dem verbockten Manöver. So was ist sie von mir nicht gewohnt.

 

Mit halben Wind geht es dann problemlos unter der Fehmarn-Sund Brücke durch nach Heiligenhafen. Dort finden wir einen netten Liegeplatz für eine Woche. Dann kommt Katrin auch nach Heiligenhafen und wir wollen die “POLKA” weiter nach Wendtorf bringen.

Anna gibt mir noch mit, dass sie gerne noch einmal mitfahren will, aber erst, wenn ich das Boot im Griff habe. OK, Herausforderung angenommen.

 

Der letzte Tag

 

Heute geht’s nach Wendtorf. Der Wind kommt mit 3 Bf aus Ost. Die Kinder sind versorgt. Ich habe Tags zuvor eingekauft und sie haben Geld zum Essen da. Gestern waren wir im Kino in Kiel und haben dabei gleich ein Auto zum Hafen in Wendtorf gebracht.

Mit uns zusammen fahren noch einige andere Segler den Weg vom Sund nach Kiel. Als die anderen ihre Spinnaker herausholen trauen wir uns auch. Die bunte Blase steht.

Bringt aber so gut wie gar nichts. Wir erinnern uns, dass Minis keine symmetrischen sondern asymmetrische Spinnaker fahren. Zumindest stand das so in einem Artikel im Internet. Und der hier ist ganz klar symmetrisch. Also wieder runter das Teil und den anderen ausprobieren. Der ist nicht nur größer sondern auch asymmetrisch. Er steht gleich viel besser und zieht die “POLKA” schön gleichmäßig nach vorne. Bei wenig, aber stetigem Wind gleiten wir total entspannt nach Westen und erreichen am späten Nachmittag Wendtorf.

Die “POLKA” ist zuhause. Wir gehen noch schnell zum Hafenmeister und melden das neue Boot an, danach geht es zurück nach Heiligenhafen. Die Kinder haben uns nicht vermisst und sind mit anderen Jugendlichen grillen. Das tun wir jetzt auch.

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