Logbuch

Die Polka zu kippen ist nicht leicht

Jahr:         
Datum: 17-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 13,5 sm    signifikantes Wetter: sonnig
Leuchtturm Friedrichsort

Montag –  warum chartern wir nicht einfach

Der Urlaub beginnt wie so oft, mit einer kleinen Reparatur. Wir müssen das Großfall austauschen. Dafür müssen wir an die Mastspitze. Das Großfall fahren wir mit einem einfachen Flaschenzug damit das Segel leichter zu setzen ist. Beim Mini ist das Segel durchgelattet und die Enden der Latten drücken gegen den Mast. Ein Ende vom Flaschenzug ist im Masttop befestigt. Dann geht es runter zum Groß und wird über einen Block wieder nach oben geführt. So wollen wir das jedenfalls fahren, aber da sich das Fall neulich im Block eingeklemmt hat, mussten wir es kappen und sind ohne Flaschenzug unterwegs.

Um das wieder zu ändern, müssen wir das neue Fall ganz oben am Mast festknoten. Aber wie kommen wir an den Masttop? Mit dem Bootsmannstuhl sind wir nicht ganz nach oben gekommen. Katrin mit dem Mastkran hochziehen durften wir nicht. Eine neue Idee muss her. Ein Test beim Sicherheitscheck bei Class Mini Rennen besteht aus einer Kippprüfung. https://www.youtube.com/watch?v=v24Nd4RwiZg Der Mini wird auf die Seite gelegt und dann wird die aufrichtende Kraft an der Mastspitze gemessen. Also muss man auch die POLKA auf die Seite legen können.

Butter, Nutella und 5 Minuten Terrinen einkaufen, die Woche wird kein kulinarisches Highlight, das Boot beladen und dann schnell los.

Für die Reparatur haben wir uns den Steg vom Yacht Service Kiel ausgeguckt. Der ist recht hoch und wir müssen die POLKA nicht ganz auf die Seite legen. Wir werden durch den fehlenden Wind in unserem Tatendrang gebremst. Immerhin sind wir mal wieder so ungefähr die Einzigen, die durchhalten ohne den Jockel anzuwerfen. Um 14:30 erreichen wir den Steg, an dem leider Boote in Zweierreihen liegen. Keine Chance für uns hier etwas auszurichten. Weitersuchen.

Uns fällt die Mole am Seefischmarkt ein. Die ist etwas flacher, aber so groß, dass für uns auf jeden Fall ein Platz zum Werkeln da ist.

Mit auffrischendem Wind geht es weiter in die Förde. Am Seefischmarkt weht es uns mittlerweile schon recht stark entgegen. Wir legen dennoch an einer Leiter an und basteln eine halbe Stunde rum. Aber so wird das nichts. Wenn wir das Boot kippen und der Wind das Boot unglücklich packt, dreht es sich zur Seite und verkratzt am rohen Beton der Kaimauer. Wir geben den Versuch auf und suchen die Förde bis zur Klappbrücke nach einer geeigneten Mole ab. Zwischenzeitlich geht uns noch mitten im Fahrwasser der Sprit aus. Wir hatten heute morgen nicht getankt. Mist, das üben wir aber noch. Gut, dass nicht gerade eine Fähre raus will. Das Nachtanken geht schnell und damit auch die Fahrt weiter zu unserem Winterlager, zurück in die Schwentinemündung. Bestimmt hat Tim, der Hafenmeister, noch einen Platz für die Nacht. Wenn wir Glück haben, kann er uns auch morgen mit seinem Kran helfen. Ein freier Platz ist da. Wir quatschen noch ein wenig mit einem Winterlagernachbarn der sein Boot auch im Sommer hier liegen hat, machen das Boot fertig und fahren dann mit dem Bus in die Stadt. Etwas Essen und dann John Wick 3 im Kino ansehen. Das Essen beim Chinesen ist super, der Film? Naja. Ich fürchte ich brauche für längere Zeit keinen Film mehr aussuchen. Dieser hier kommt gänzlich ohne sinnvolle Handlung, dafür aber mit gefühlt 1000 Toten aus.

Wir haben den Schlüssel vom Winterlager vergessen und da wir nicht sicher sind, ob das Tor über Nacht aufbleibt, nehmen wir den Bus zu Katrin und schlafen noch eine Nacht im richtigen Bett.

Vorm Einschlafen lasse ich den Tag noch einmal Revue Passieren. Einen Tag segeln verloren, weil wir unser Boot reparieren müssen. Lohnt sich ein eigenes Boot überhaupt? Oder ist es nicht doch besser ein Boot zu chartern, wenn man Lust zum Segeln hat? Ich glaube, die Beantwortung der Frage könnte ganze Bücher füllen. Also ganz kurz. Was sind die Gründe für unser eigenes Boot?

Der für mich wichtigste Grund zum Chartern wäre, das Revier wechseln zu können. Wer träumt nicht davon, mal in der Südsee segeln zu gehen und in einer einsamen Bucht in das kristallklare Wasser zu springen? Aber für eine Woche ist das eh zu weit und drei Wochen zu viert mit Flug und allem sind zu teuer. Toll ist sicherlich auch, dass man die Bootstypen wechseln kann. Mal einen Cat und mal etwas gemütliches gefällig? Aber eigentlich wollen wir eh nur Polka fahren. Dann natürlich die Arbeit, die ein eigenes Boot macht. Wenn ich unsere ToDo-Liste ansehe, stehen da immer reichlich Punkte drauf. Großfall austauschen, mehrere Macken weg machen, das Wasserstag ablängen und vernähen, die Winschen müssen gewartet werden, die Luke und der Bugkorb müssen abgedichtet werden und nicht zu vergessen, Antifouling im Winter anschleifen und neu streichen. Mittlerweile mache ich das nur noch mit Gasmaske, Schutzbrille und Gummihandschuhen. Ist nicht gerade gesundheitsfördernd.

Ja und wie kommt man dann überhaupt auf die Idee, ein eigenes Boot zu fahren? Das Geld kann’s ja nicht sein, kostet auch eine ganze Menge. 

Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass die lange ToDo Liste als großer Vorteil zu sehen ist. Ich behaupte, ich kann heute alle Reparaturen am Boot selbst ausführen. Egal, ob ein Bootsdiesel, die Elektrik oder Gelcoat repariert werden müssen. Ich habe alles schon mal gemacht. Auch bei einem Charterboot kann mal etwas ausfallen. Wohl dem, der sich dann zu helfen weiß.

Die Charterboote, die ich bisher gesehen habe sind lediglich aufs Wohnen und so gut wie gar nicht aufs Segeln ausgelegt. Mit so etwas macht uns segeln heute keinen Spaß mehr. Ein eigenes Boot kennt man in und auswendig und es ist meist besser ausgestattet als eine Charteryacht. Einen Mini gibt’s gar nicht zu chartern. Wir haben oft nur die Möglichkeit Freitag bis Sonntag zu segeln. Und für drei Tage wird’s mit dem Chartern schon schwer.

Für Katrin und mich ist es klar, wir wollen kein Boot chartern sondern weiter ein eigenes Boot, hier im schönsten Revier überhaupt, fahren. Und unsere Fahrt heute in die Förde? Hat ja auch Spaß gemacht. Und wenn alles funktioniert, ist es kein Abenteuer. Ich schlafe mit dem guten Gedanken ein, dass wir morgen sicherlich eine Lösung für unser Fall finden und dann geht’s halt einen Tag später Richtung Dänemark. Die Hauptsache ist doch, wir sind segeln!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.