Logbuch

Heimweg

Jahr:         
Datum: 23-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 26 sm    signifikantes Wetter: sonnig

Sonntag – Von Rekorden und Zielen

Die heutige Aufgabenteilung: Katrin schläft aus und Thomas kauft Brötchen. Nur Spaß, ich bin einfach zu früh wach geworden und schon mal los.

Wir frühstücken und kommen heute um halb elf los. Rekord. Der Wind kommt aus Ost und in der Schlei genau gegenan. Also den kleinen internen Tank des Außenborders auftanken und los. Kurz vor der Ausfahrt überholt uns ein Folkeboot. Vor- und Großsegel liegen zum Setzen bereit. Draußen auf der Ostsee wartet eine steile und ziemlich hohe Welle. Daher hatten die meisten ihr Groß schon zuvor in der Schlei hochgezogen. Wir beobachten den Folkebootfahrer. Ganz schöner Tanz auf dem wild hüpfenden und rollenden Boot. Sieht eher nach Rodeoreiten als nach Segeln aus. Findet der Kollege wohl auch und lässt die Fock lieber unten.

Jetzt sind wir dran. Der Motor quält sich gegen die Wellen und den Wind. Gut gesichert gehe ich nach vorne. Ist gar nicht einfach das störrische Groß mit seinen Latten bei diesem Ritt durch die steile Welle hoch zu bekommen. Irgendwann klappt es aber und als dann noch die Genua steht, beruhigt sich unser Wildpferd und kennt nur noch eine Richtung, vorwärts. Wieder sind wir Beiden total begeistert von diesem kleinen Boot. Das ist Sport, geiler Sport sogar. Die Windstärke liegt konstant bei 4 bis 5 Bf. Immer wieder sehen wir heute große, seegängige Yachten, auf denen die Mannschaft kurzärmelig hinter der Spritzkappe sitzt. Locker werden die 12 Meter Yachten durch die unruhige See gejagt.

Wir dagegen sitzen in vollem Ölzeug da, bekommen Gischt ab und kämpfen mit der Natur. Nicht schlimm, gerade so, dass es riesig Spaß macht. Wir haben es ja nicht anders gewollt.

Hinter dem Sperrgebiet zwischen Schleimünde und Damp müssen wir noch etwas höher an den Wind. Wir reffen das Groß. Das klappt mittlerweile super. Der ganze Horizont vor Kiel ist voll mit Segeln. Aus der Eckernförder Bucht kommen gerade die Teilnehmer der Aalregatta, während vor uns ein riesiges Feld von kleinen Jollen um den Sieg kämpft.

Es folgt eine Slalomfahrt durch die Regatten. Die Regattaboote, meist Jollen, sind so schnell und flink, dass wir mehrmals ganz schnell eine Wende fahren müssen um nicht quer durch eines der Regattafelder zu ballern.

Irgendwann sehen wir auch den Folkebootfahrer wieder. Wir ziehen kurz vor ihm vorbei. Er hat immer noch seine Fock unten. Dafür hat er das mit dem Sperrgebiet nicht so ernst genommen und ist gerade durchgeballert. Also sagen wir unentschieden. Wir außen herum und er ohne Fock ;-}.

Zwischenzeitlich hören wir ein leises “Mayday, Mayday, Mayday” aus der Kabine. Eigentlich bekommt man hier draußen in der Plicht leider nichts vom Funk mit, aber das vernehmen wir doch. Ich werde neugierig und geh runter zum Funk. Einer der Teilnehmer der Aalregatta hat einen Ruderbruch. Bremen Rescue kümmert sich darum. Das Mayday deutet eher auf eine kleine Panik hin, als auf einen echten Seenotfall. Bremen Rescue schickt auch ein Boot der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger), wenn man sie einfach nur anfunkt und um Hilfe bittet.

Es scheint endlos zu dauern, bis wir endlich die Fahrrinne des Kiel-Ostsee-Wegs erreicht haben. Gerade läuft die Magic Color aus der Kieler Förde aus. Für den Frachter, der ihr entgegenkommt und einlaufen will, sind wir schnell genug. Für die Magic Color müssen wir etwas abfallen, damit wir sicher hinter ihr passieren können. Fahrrinne queren finden wir immer spannend. Ein anderer, der meinte er schafft es noch, wird böse von der Magic Color angehornt.

An der Ansteuerungstonne von Wendtorf fallen die Segel und wir laufen ein. Erst einmal räumen wir ganz in Ruhe das Boot auf. Dann geht es zum Fischer-Imbiss zum späten Mittagessen. Um 18 Uhr haben wir alles geschafft. Leider. Wieder ist eine Woche Urlaub zu Ende. Wieder haben wir viel erlebt und genauso viel gelernt. Wieder sitzen wir traurig im Auto, weil es viel zu schnell zu Ende gegangen ist. Zu bemerken ist, dass wir keine Schäden an der Polka haben. Es ist nichts Neues kaputt gegangen. Damit haben wir den zweiten Rekord nach den 10,8 Knoten geschafft!

Resümee – Doch lieber chartern?

Auf der Fahrt zurück nach Dortmund lasse ich die Woche noch einmal Revue passieren. Wir haben einen Tag segeln verloren, weil wir unser Boot in Ordnung bringen müssen. Als absolute Ausnahme sind dieses Mal keine neuen Schäden zu reparieren oder notwendige Änderungen zu machen. Lohnt sich für uns überhaupt ein eigenes Boot? Unsere Polka ist ja doch sehr pflegebedürftig. Wie oft fahren wir in der Kälte im Winter zum Boot und basteln? Ist es nicht doch besser ein Boot zu chartern, wenn man Lust zum Segeln hat? Ich glaube, diese Frage abschließend zu beantworten könnte ganze Bücher füllen. Also ganz kurz. Was sind unsere Gründe für ein eigenes Boot?

Der für mich wichtigste Grund zum Chartern wäre, das Revier wechseln zu können. Wer träumt nicht davon, mal in der Südsee segeln zu gehen und in einer einsamen Bucht in das kristallklare Wasser zu springen? Aber für eine Woche ist das eh zu weit und drei Wochen mit Flug und allem sind zu teuer. Toll ist sicherlich auch, dass man die Bootstypen wechseln kann. Mal einen Cat und mal etwas gemütliches gefällig? Aber eigentlich wollen wir eh nur Polka fahren. Dann natürlich die Arbeit, die ein eigenes Boot macht. Wenn ich unsere ToDo-Liste ansehe, stehen da immer reichlich Punkte drauf. Großfall austauschen, mehrere Macken weg machen, das Wasserstag ablängen und vernähen, die Winschen müssen gewartet werden, die Luke und der Bugkorb müssen abgedichtet werden und nicht zu vergessen, Antifouling im Winter anschleifen und neu streichen. Mittlerweile mache ich das nur noch mit Gasmaske, Schutzbrille und Gummihandschuhen. Ist nicht gerade gesundheitsfördernd.

Ja und wie kommt man dann überhaupt auf die Idee, ein eigenes Boot zu fahren? Nur das Geld kann es ja nicht sein, das eigene Boot kostet auch eine ganze Menge.

Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass die lange ToDo Liste ein großer Vorteil ist. Ich behaupte, ich kann heute fast alle Reparaturen am Boot selbst ausführen. Egal, was kaputt ist: ein Bootsdiesel, die Elektrik oder Gelcoat. Ich habe das alles schon mal gemacht. Auch bei einem Charterboot kann mal etwas ausfallen. Wohl dem, der sich zumindest bei Kleinigkeiten dann zu helfen weiß.

Auf der „Boot“ in Düsseldorf haben wir uns schon oft die typischen Charterboote angesehen und selbst sind wir auch schon drei gefahren. Wenn man nicht die hochpreisigen wählt, sind sie lediglich aufs Wohnen und so gut wie gar nicht aufs Segeln ausgelegt. Mit so einer Karre macht uns segeln heute keinen Spaß mehr. Eventuell später, wenn wir wieder mehr Fahrtensegeln wollen, aber dann chartern wir natürlich auch nicht. Ein eigenes Boot kennt man in und auswendig und es ist meist besser ausgestattet als eine Charteryacht. Einen Mini gibt’s gar nicht zu chartern. Wir haben meist nur von Freitag bis Sonntag Zeit zu segeln. Und für drei Tage wird’s mit dem Chartern schon schwer.

Für Katrin und mich ist klar, wir wollen kein Boot chartern sondern weiter ein eigenes Boot fahren, hier in der Ostsee, im schönsten Revier überhaupt. Und unser erster Tag diesen Törn? Den ganzen Tag durch die Förde fahren und überlegen, wie wir unser Fall einbauen können? Hat ja auch Spaß gemacht.

Und wenn alles funktioniert, ist es kein Abenteuer

Und unsere Vorsätze, haben wir alles geschafft?

Sehr gute Ausbeute für eine Woche Mini intensiv!

 

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