Sommertörn 2019

Eine Woche Mini intensiv

Was, wenn man völlig “Untersegelt” ist und nur eine Woche Zeit hat? Dann muss man halt das beste aus der Woche machen.

So wie letztes Jahr. Allerdings hatten wir da drei Wochen Urlaub. In denen haben wir uns intensiv auf das Silverrudder vorbereitet. Es war super, auf ein konkretes Ziel hin zu arbeiten und so setzen wir uns auch dieses Jahr konkrete Ziele. Wir wollen Spi und Gennaker vernünftig setzen und bergen können, über 10 Knoten schaffen und Katrin möchte danach auch alleine mit dem Mini rausfahren können. Eine Woche Mini intensiv. 

Ob wir alles geschafft haben, lest ihr in der folgenden Geschichte. Eins kann ich vorwegnehmen. Die Woche war mal wieder spitze.

 

 

Die Polka zu kippen ist nicht leicht

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 17-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 13,5 sm    signifikantes Wetter: sonnig

Leuchtturm Friedrichsort

Montag –  warum chartern wir nicht einfach

Der Urlaub beginnt wie so oft, mit einer kleinen Reparatur. Wir müssen das Großfall austauschen. Dafür müssen wir an die Mastspitze. Das Großfall fahren wir mit einem einfachen Flaschenzug damit das Segel leichter zu setzen ist. Beim Mini ist das Segel durchgelattet und die Enden der Latten drücken gegen den Mast. Ein Ende vom Flaschenzug ist im Masttop befestigt. Dann geht es runter zum Groß und wird über einen Block wieder nach oben geführt. So wollen wir das jedenfalls fahren, aber da sich das Fall neulich im Block eingeklemmt hat, mussten wir es kappen und sind ohne Flaschenzug unterwegs.

Um das wieder zu ändern, müssen wir das neue Fall ganz oben am Mast festknoten. Aber wie kommen wir an den Masttop? Mit dem Bootsmannstuhl sind wir nicht ganz nach oben gekommen. Katrin mit dem Mastkran hochziehen durften wir nicht. Eine neue Idee muss her. Ein Test beim Sicherheitscheck bei Class Mini Rennen besteht aus einer Kippprüfung. https://www.youtube.com/watch?v=v24Nd4RwiZg Der Mini wird auf die Seite gelegt und dann wird die aufrichtende Kraft an der Mastspitze gemessen. Also muss man auch die POLKA auf die Seite legen können.

Butter, Nutella und 5 Minuten Terrinen einkaufen, die Woche wird kein kulinarisches Highlight, das Boot beladen und dann schnell los.

Für die Reparatur haben wir uns den Steg vom Yacht Service Kiel ausgeguckt. Der ist recht hoch und wir müssen die POLKA nicht ganz auf die Seite legen. Wir werden durch den fehlenden Wind in unserem Tatendrang gebremst. Immerhin sind wir mal wieder so ungefähr die Einzigen, die durchhalten ohne den Jockel anzuwerfen. Um 14:30 erreichen wir den Steg, an dem leider Boote in Zweierreihen liegen. Keine Chance für uns hier etwas auszurichten. Weitersuchen.

Uns fällt die Mole am Seefischmarkt ein. Die ist etwas flacher, aber so groß, dass für uns auf jeden Fall ein Platz zum Werkeln da ist.

Mit auffrischendem Wind geht es weiter in die Förde. Am Seefischmarkt weht es uns mittlerweile schon recht stark entgegen. Wir legen dennoch an einer Leiter an und basteln eine halbe Stunde rum. Aber so wird das nichts. Wenn wir das Boot kippen und der Wind das Boot unglücklich packt, dreht es sich zur Seite und verkratzt am rohen Beton der Kaimauer. Wir geben den Versuch auf und suchen die Förde bis zur Klappbrücke nach einer geeigneten Mole ab. Zwischenzeitlich geht uns noch mitten im Fahrwasser der Sprit aus. Wir hatten heute morgen nicht getankt. Mist, das üben wir aber noch. Gut, dass nicht gerade eine Fähre raus will. Das Nachtanken geht schnell und damit auch die Fahrt weiter zu unserem Winterlager, zurück in die Schwentinemündung. Bestimmt hat Tim, der Hafenmeister, noch einen Platz für die Nacht. Wenn wir Glück haben, kann er uns auch morgen mit seinem Kran helfen. Ein freier Platz ist da. Wir quatschen noch ein wenig mit einem Winterlagernachbarn der sein Boot auch im Sommer hier liegen hat, machen das Boot fertig und fahren dann mit dem Bus in die Stadt. Etwas Essen und dann John Wick 3 im Kino ansehen. Das Essen beim Chinesen ist super, der Film? Naja. Ich fürchte ich brauche für längere Zeit keinen Film mehr aussuchen. Dieser hier kommt gänzlich ohne sinnvolle Handlung, dafür aber mit gefühlt 1000 Toten aus.

Wir haben den Schlüssel vom Winterlager vergessen und da wir nicht sicher sind, ob das Tor über Nacht aufbleibt, nehmen wir den Bus zu Katrin und schlafen noch eine Nacht im richtigen Bett.

Vorm Einschlafen lasse ich den Tag noch einmal Revue Passieren. Einen Tag segeln verloren, weil wir unser Boot reparieren müssen. Lohnt sich ein eigenes Boot überhaupt? Oder ist es nicht doch besser ein Boot zu chartern, wenn man Lust zum Segeln hat? Ich glaube, die Beantwortung der Frage könnte ganze Bücher füllen. Also ganz kurz. Was sind die Gründe für unser eigenes Boot?

Der für mich wichtigste Grund zum Chartern wäre, das Revier wechseln zu können. Wer träumt nicht davon, mal in der Südsee segeln zu gehen und in einer einsamen Bucht in das kristallklare Wasser zu springen? Aber für eine Woche ist das eh zu weit und drei Wochen zu viert mit Flug und allem sind zu teuer. Toll ist sicherlich auch, dass man die Bootstypen wechseln kann. Mal einen Cat und mal etwas gemütliches gefällig? Aber eigentlich wollen wir eh nur Polka fahren. Dann natürlich die Arbeit, die ein eigenes Boot macht. Wenn ich unsere ToDo-Liste ansehe, stehen da immer reichlich Punkte drauf. Großfall austauschen, mehrere Macken weg machen, das Wasserstag ablängen und vernähen, die Winschen müssen gewartet werden, die Luke und der Bugkorb müssen abgedichtet werden und nicht zu vergessen, Antifouling im Winter anschleifen und neu streichen. Mittlerweile mache ich das nur noch mit Gasmaske, Schutzbrille und Gummihandschuhen. Ist nicht gerade gesundheitsfördernd.

Ja und wie kommt man dann überhaupt auf die Idee, ein eigenes Boot zu fahren? Das Geld kann’s ja nicht sein, kostet auch eine ganze Menge. 

Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass die lange ToDo Liste als großer Vorteil zu sehen ist. Ich behaupte, ich kann heute alle Reparaturen am Boot selbst ausführen. Egal, ob ein Bootsdiesel, die Elektrik oder Gelcoat repariert werden müssen. Ich habe alles schon mal gemacht. Auch bei einem Charterboot kann mal etwas ausfallen. Wohl dem, der sich dann zu helfen weiß.

Die Charterboote, die ich bisher gesehen habe sind lediglich aufs Wohnen und so gut wie gar nicht aufs Segeln ausgelegt. Mit so etwas macht uns segeln heute keinen Spaß mehr. Ein eigenes Boot kennt man in und auswendig und es ist meist besser ausgestattet als eine Charteryacht. Einen Mini gibt’s gar nicht zu chartern. Wir haben oft nur die Möglichkeit Freitag bis Sonntag zu segeln. Und für drei Tage wird’s mit dem Chartern schon schwer.

Für Katrin und mich ist es klar, wir wollen kein Boot chartern sondern weiter ein eigenes Boot, hier im schönsten Revier überhaupt, fahren. Und unsere Fahrt heute in die Förde? Hat ja auch Spaß gemacht. Und wenn alles funktioniert, ist es kein Abenteuer. Ich schlafe mit dem guten Gedanken ein, dass wir morgen sicherlich eine Lösung für unser Fall finden und dann geht’s halt einen Tag später Richtung Dänemark. Die Hauptsache ist doch, wir sind segeln!

 

 

Segeln im Gewitter

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 18-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 39 sm    signifikantes Wetter: Gewitter

Gewitterwolke

Dienstag – schön, dass immer jemand für uns da ist

Der Wecker klingelt um 7 Uhr. Noch schnell einen Kaffee trinken, duschen und los geht’s. Wir treffen Tim im Hafen. „Kein Problem, das kriegen wir hin. Ich frühstücke noch schnell. Legt euch ruhig schon unter den Kran!“

Kennt ihr das? Plötzlich ist da jemand, der dein Problem wie selbstverständlich löst. Wir kurven den ganzen Tag durch die Förde und für Tim ist es kein Problem. Tim ist an seinem Kran hochgeklettert und hat das neue Fall angeknotet. Und dafür wollte er genau… nichts, haben. Ich konnte immerhin 20 € in die Kaffeekasse werfen. Tim und seine Kollegen haben uns schon so oft geholfen. Wer in Kiel ein Winterlager sucht, sollte unbedingt mal zur Schwentinemündung gehen!!

Hier mal ein kleiner Appell an alle gestressten Segler, die immer alles sofort fertig haben wollen und wenn das nicht geht, gleich rummaulen. Euer Problem ist euer Problem nicht das

der Leute vom Bootsservice, Winterlager, Ersatzteilverkauf oder Hafen, die sofort da sind, wenn wir ankommen, die immer eine Idee haben, die improvisieren können und uns so doch noch unseren Urlaub retten. Auch das sind nur Menschen, die gerne helfen, aber nicht, weil ihr das erwartet. Ohne sie, wäre für uns schon der ein oder andere Urlaub ins Wasser gefallen. Also schluckt euren Frust runter, und denkt erst drüber nach, ob rummuffeln wirklich hilfreich ist.

Das soll jetzt auch nicht heißen, dass man sich alles gefallen lassen muss, aber zumindest sollte man wenigstens einmal darüber nachdenken, ob schreien in diesem Moment angemessen ist. Wenn zuviel Wind ist, müssen wir ja auch mal einen Tag im Hafen bleiben und manchmal war auch jemand anderes vor uns da, der es genauso eilig hat wie wir.

Das Ziel für den heutigen Tag ist Bagenkop. Die Vorhersagen melden drei Beaufort. Abends sollten wir pünktlich da sein. Obwohl wir den ganzen Weg am Wind fahren müssen und nur kurz den Code 0 zu Hilfe nehmen können, kommen wir bei wenig Welle permanent mit 5-6 Knoten ganz gut voran. 

Nachmittags sehen wir über dem Festland ein Gewitter. Es baut sich schnell auf und sieht schon sehr imposant aus. Auf Höhe Eckernförde ändert es seine Zugrichtung. Es zieht jetzt nicht mehr die Küste hoch, sondern nördlich von uns über die dänischen Inseln in Richtung Nordost. Über Äero geht es grummelnd und blitzend an uns vorbei.

Gewitter mit Heiligenschein

Das nächste Gewitter zieht vor uns durch. Es bleibt bei seiner nördlichen Zugrichtung. Danach wird der Himmel wieder klar und wir freuen uns  verschont geblieben zu sein. Das geht so lange, bis wir bereits die Masten der Boote in Bagenkop erkennen können. Südlich von uns ist ein weiteres Gewitter aufgezogen. Es steht aus wie eine graue Wand. Die Regenschwaden haben dieselbe Farbe wie die Wolke selbst.

Das nächste Gewitter

Wir nehmen die Genua runter und binden das zweite Reff ins Groß. Sicher ist sicher. Zunächst sieht es so aus, als würde auch dieses Gewitter seine Richtung ändern und uns verschonen. Erst als ein Geräusch, das an eine einfahrende U-Bahn erinnert schnell lauter wird, wird uns klar, dass hier unser Glück abrupt endet. Innerhalb von Sekunden befinden wir uns in einem Wolkenbruch, der aus dem Reff einen 10 Liter Eimer nach dem anderen auf unsere Füße zu kippen scheint. Es sind wirklich Unmengen Wasser, die in kürzester Zeit auf uns niederprasseln. Und dann kommt der Wind. Zunächst schwach, später surfen wir nur unter 2-fach gerefftem Groß mit über 8 Knoten wieder weg von Bagenkop. Wir wollen nicht in eine Leegerwall Situation geraten und nehmen lieber Kurs Richtung freie See.

Katrin: Und während ich in der Ecke der Plicht auf dem Boden sitze und hoffe nicht vom Blitz erschlagen zu werden, und hoffe, dass es nicht noch mehr Wind gibt und das zweite Reff reicht, sitzt Thomas an der Pinne und strahlt über beide Ohren wie toll sich die Polka hält. Manchmal wundere ich mich.

Wellen bauen sich nicht so schnell auf, so dass die Fahrt tierisch Spaß macht und Polka da locker mit zurecht kommt. Die Blitze machen uns allerdings doch etwas Sorgen. Zum Glück sehen wir sie bei diesem Regen nicht, sondern hören nur das permanente Grummeln und Donnern. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Der Wind nimmt wieder ab und wir trauen uns zurück zum Land zu steuern. 

So langsam geht’s wieder

Derartige Boen dürfen wir auf keinen Fall in der Hafeneinfahrt oder bei der Liegeplatzsuche abbekommen. Das könnte leicht Bruch geben. Die folgenden zwei Gewitter, die uns nur am Rande erwischen warten wir daher noch ab, bevor wir gegen halb zwölf sicher in Bagenkop einlaufen. Hier sieht es alles ganz friedlich aus, als ob nie ein Gewitter den Hafen erreicht hat. Es wird sogar noch gegrillt. Manchmal sind es wenige Meter, die zwischen Unwetter und grillen liegen. 

Noch im Ölzeug zahlen wir heute Abend am Automaten unsere Hafengebühr und trinken unser Anlegerbier. Dann geht’s auch schon ins Bett. Aufregung macht müde.

Am Wind nach Heiligenhafen

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 20-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 32 sm    signifikantes Wetter: windig

Donnerstag – warum überhaupt ein Mini? Blöde Frage, muss aber mal gestellt werden ;-}

Heute wollen wir früh los und nach Heiligenhafen übersetzen. Abends noch schön essen gehen? Mal sehen. Es kommt wie immer: Als wir endlich fertig sind, ist es 11 Uhr. Ist so unsere Zeit, wenn wir früh los wollen. Kurz vor der Abfahrt erzählt uns der Stegnachbar, dass sein Bootsdiesel nicht mehr läuft. 

Katrin: Und ich erschrecke kurz, Thomas will den Diesel hoffentlich nicht reparieren.

Er will mit seiner Frau am nächsten Tag mit der Fähre zurück nach Großenbrode fahren. Den Motor will sich dann die Woche über der örtliche Mechaniker ansehen. “Dann fahrt doch mit uns mit, wir bringen euch nach Heiligenhafen!” “Meint ihr das ernst?”

Alleine die Frage regt mich schon ein wenig auf. Sind wir nicht alles Seeleute? Ok, aber zumindest doch Sportsfreunde! Und da hilft man sich doch. Gerade in so einer Situation. Erst als auch Katrin das Angebot wiederholt glaubt uns der nette Mann. Das er als Toilette gerne unseren Eimer nehmen kann oder sich alternativ die eigene Pütz einpacken muss, haben wir ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt. War auch nicht nötig. Seine Frau lehnt direkt ab, als er sie hoffnungsvoll fragt. Er wäre gerne mitgesegelt, sie auf keinen Fall. OK, wer einen Mini nicht kennt, glaubt sicherlich: Total kippelig und gefährlich. Das sie gerade die Chance vertan hat, mit dem geilsten Boot der Welt mitfahren zu können, konnte sie ja nicht wissen. Die beiden gucken uns aber dennoch nach und der direkte Nachbar hilft mit den Leinen. Beim wegfahren hören wir noch die beiden Männer: “Echt ein tolles Boot….”. Recht haben sie.

Die Überfahrt machen wir zusammen mit drei deutlich größeren Booten. Mal sind wir, mal die anderen schneller. Irgendwann sind sie dann doch alle weg. Wir sind uns sicher, dass alle irgendwie hinter uns geblieben sind. 

Ruhige Fahrt

Die Überfahrt selber ist wie meist in dieser Woche ein Amwind Kurs. Erst an der äußersten Spitze Fehmarns bekommen wir den Wind etwas raumer. Den Code 0 für die letzte Stunde rauszukramen haben wir irgendwie beide keine Lust. Dennoch kommen wir recht früh in Heiligenhafen an und verbringen noch einen schönen Nachmittag dort. Bei Baltic Kölln kaufen wir ein neues Gummiband um die Fock nach dem Bergen an der Seereling zu fixieren und Gleitspray für das Groß. Geht immer noch zu schwer für Katrin, Schmirgelpapier um die Gelcoatarbeiten abschließen zu können und einen Karabinerhaken für den Sack vom Code 0. Außerdem kaufen wir uns eine Luxuscurryklemme für 37 Euro. Die alte für die Cunningham ist defekt. Mit der Cunningham kann das Vorliek der Großsegels gestrafft werden. Ist besser als mit dem Fall das Vorliek zu regulieren. Ich bastle noch ein wenig rum und dann gehen wir erst zur Seebrücke und dann in die Bretterbude ein Feierabendbier trinken. 

Dabei diskutieren wir noch, warum in Gottes Namen die beiden nicht mit uns mitgefahren sind. Selbst fuhren sie ein altes ich schätze 9 Meter langes Segelboot. Also auch keinen Ozeanriesen. Der Landweg bedeutet, erst einmal mit dem Bus nach Spodsbjerg. Dauert bestimmt ewig. Dann geht es mit der Fähre rüber nach Lolland und weiter mit dem Bus nach Rödby. Von dort mit der Fähre nach Puttgarden und dann mit Bus oder Bahn nach Großenbrode und dann mit dem Taxi nach Großenbrode Fähre, wo das Boot normalerweise im Hafen liegt. Wir schätzen, dass die ganze Aktion den ganzen Tag kosten wird. 

OK, ein Mini sieht sportlich aus und man könnte erwarten, dass da nur Wahnsinnige mitfahren. Aber sehen wir wahnsinnig aus? Nein, wohl eher nicht. Wir finden keine logische Erklärung. Denken aber, dass es einfach zu kurzfristig war. 

Katrin: Ähm, ich würde auch nicht spontan zu wildfremden Leuten in ein Boot ohne Klo steigen…

Seitdem wir den Mini haben, gibt es dazu aber ansonsten immer nur positive Reaktionen. Am nächsten Tag überholt uns eine 40 Fuß Yacht in der Hafeneinfahrt unter Motor. Neben uns wird das Boot plötzlich langsamer und der Skipper ruft zu uns rüber: “Da habt ihr aber ein tolles Spielzeug!” Recht hat er. Einige wissen sogar, worum es sich beim Mini handelt. Dass es eben nicht ein kompromissloser Renner, sondern ein Boot ist, das zwar schnell aber auch sicher ist und Menschen sicher über den Atlantik bringen kann. Unser Mini ist Kategorie B, außerhalb von Küstengewässern. A – Hochsee gibt es nicht für strukturelle Änderungen, sondern lediglich für weitere Ausstattung. Es fehlt uns lediglich Ausrüstung, damit das Boot auch wirklich hochseetauglich ist.

Auch bei schlechtem Wetter eine gute Wahl

Für uns ein tatsächlich wichtiger Punkt. Wir hatten damals die Wahl zwischen einer H 22, einer J 22 oder der Polka. Die beiden anderen wären mit Trailer gewesen. Wir haben uns damals extra eine J 22 auf der Schlei ausgeliehen und sind einen Tag lang Probe gesegelt. Hat super Spaß gemacht. Das Teil hat einen spitzenklasse Wendewinkel und macht riesig Spaß. Für zwei Personen ist die Liegefläche in der Kajüte auch groß genug. Den Ausschlag hat für uns die Frage gegeben, was machen wir, wenn wir am Wochenende mal nach Dänemark gesegelt sind und dann das Wetter umschlägt? Sicherlich nicht mit der J22 zurück fahren. Da hätten wir, wenn uns niemand die Rückfahrt mit einem Mini angeboten hätte, den langen Weg über Spodsbjerg, Rödby, Puttgarden und so weiter nehmen müssen. Mit dem Mini kann das Wetter auch mal etwas schlechter sein. 

Ein Mini ist das Bekenntnis zur Unvernunft!”. Toller Spruch, stimmt auch irgendwie. Aber ist es wirklich unvernünftig, wenn man ein Boot fährt, an dem man zwar die halbe Zeit basteln muss, aber die andere Hälfte grandiosen Spaß hat? 

Ich gebe mal ein Beispiel. Mit der Argo, unserem Boot davor hatten wir auch viel Spaß. Es war 9,40 Meter lang und 3,5 Tonnen schwer. Wenn wir damit beispielsweise bei 4 Bf Westwind Richtung Bagenkop gefahren sind, haben wir vor Wendtorf Groß und Genua gesetzt, sind am Leuchtturm Kiel vorbei, haben die Segel noch etwas aufgemacht und dann weiter. Zwischendurch haben wir noch einen Kaffee gekocht und ein paar Schnittchen geschmiert. Oder heute mal etwas Kochen? Alles kein Problem. Auf der Fahrt haben wir keine weitere Leine mehr in die Hand genommen, bis wir die Segel wieder runtergelassen haben. War für uns damals völlig in Ordnung.. Da war halt das Ankommen das Entscheidende. 

Katrin: Wir hatten einen Spi und einen Blister und manchmal haben wir die auch ausprobiert. Nur konnte man damit nicht so viel mehr Geschwindigkeit rausholen wie bei der Polka.

Dieselbe Fahrt mit dem Mini? Du verstellst permanent die Segel! Irgendwas probierst du immer aus, um noch etwas mehr Speed herauszuholen. Spätestens hinter dem Leuchtturm wird der Code 5 rausgeholt. Oder der Code 0. Probieren wir es aus. Kochen? Macht keinen Spaß bei dem Geschaukel. Es gibt ne 5 Minuten Terrine und ein Brötchen. Maximal mit Butter und draufgelegter Wurst.

Ich will nicht sagen, dass Mini fahren besser ist. Man segelt nur mehr und wohnt weniger. Man tut das, wofür man eigentlich hier draußen rumfährt. Zugegeben, Luxus ist anders. Mädels müssen sehen, wie sie auf dem Eimer sitzen bleiben und Jungs müssen sich beim Pinkeln vor den Eimer knien. Händewaschen? Na egal. Sollten wir uns nicht alle mal überlegen, etwas weniger zu besitzen und somit weniger CO2 zu erzeugen? Ein Mini ist zwar keine Lösung, hilft aber dabei, sich auch privat auf viel weniger einzustellen.

Also mein Appell am Ende des Tages ist an euch alle: “Wenn ihr die Möglichkeit habt, bei einem Mini mitfahren zu können, probiert es aus!” Ansonsten kauft euch einen. Wenn ihr so ähnlich wie wir drauf seid, werdet ihr es nicht bereuen.

 

 

Rund Fehmarn

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 21-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 55,5 sm    signifikantes Wetter: windig

Freitag – sind Regatten eigentlich nötig? Ja klar!!!

Einige Regatten gehen Fehmarn rund. Zum Beispiel heute Abend geht es vom “Akademischen Segelverein Warnemünde” von Warnemünde aus rund Fehmarn und dann zurück nach Kühlungsborn. 

Wollten wir eigentlich mitfahren. Leider müssen wir beide am Montag wieder Arbeiten und der Wind verspricht am Sonntag eine sehr späte beziehungsweise gar keine Ankunft mehr in Kiel. Wahrscheinlicher wird es früher Montag morgen. 

Wir wollen aber wenigstens mal ausprobieren, wie sich Fehmarn Rund anfühlt. Haben wir letztes Jahr schon damit angefangen, sind dann aber, unsere Dreifarbenlaterne funktionierte nicht, früh umgedreht.

Ratet wann wir dieses Mal, es sollte früh losgehen, abgefahren sind? Genau richtig, um 11! Wir dachten aber auch, 6 Stunden sollten reichen. War natürlich nicht so. Aber der Reihe nach. 

Es fing schon mal ganz blöd an, nämlich ohne Wind. Die Segel haben wir vorne an der Deviationsdalbe vor Heiligenhafen gesetzt und sind dann mir zwei drei Knoten Richtung Brücke geschippert.

Langsam geht’s voran

Das hat schon mal ewig gedauert. Irgendwann stellte sich dann doch etwas mehr Wind ein. Unter Fock und Groß ging es dann hart am Wind Richtung Fehmarnsund Brücke. Nach mehreren Wenden haben wir die Brücke sauber unter Segeln genommen. Knapp hinter uns ging eine neue Dehler 31 durch. Mit der haben wir uns einen netten Fight geliefert. Sie waren zugegebenermaßen etwas schneller als wir. Der Wind nahm hinter der Brücke immer mehr zu und drehte aus Ost Richtung Nordost. Mist, hinter Staberhuk müssen wir gegenan. Erst einmal den Code 0 hoch. Mit vier bis fünf Knoten gings weiter.

Irgendwie haben wir es gar nicht richtig gemerkt. Der Wind wurde deutlich stärker und kam immer raumer, also aus nördlichen Richtungen. Dafür haben wir unheimlich weit Richtung Süden ausgeholt. Als wir es schließlich gemerkt haben konnten wir Richtung Staberhuk mit halbem Wind fahren. Unser Glück, denn jetzt ging der Tanz los. Ab acht Knoten kommt die Polka bei moderaten Wellen ins Gleiten. Aber so richtig abreißen tut die Heckwelle erst ein bisschen später. Immer wieder überschreiten wir die acht Knoten und freuen uns tierisch. Der Wind nimmt weiter zu. Neun Knoten. Zehn Knoten. Wir sind ZWEISTELLIG!!! Das erste Mal mit der Polka schaffen wir die Zweistelligkeit. Am Ende stehen im Max 10,8 Knoten auf dem GPS. Rekord!!! Viel zu schnell haben wir die östliche Spitze von Staberhuk erreicht und es geht leider auf Nordkurs und damit fast genau gegenan. Der Spaß für heute ist erst einmal vorbei. Wir rollen den Code 0 nur ein und lassen ihn aber oben. Wie blöd von uns. Merken wir aber erst später.

Code Zero am Wind
Code Zero am Wind

Bei dem Wind fast gegenan, der jetzt auch wieder deutlich abnimmt, wärmen wir uns erstmal selbst eingekochte vegetarische Reispfanne auf. Tolle Idee. Ist vielleicht etwas verkocht, aber kein Vergleich zu den Fertiggerichten, die man sonst so auf einem kleinen Boot isst.

Selbst eingekochtes Essen

Frisch gestärkt legen wir uns nacheinander hin und fahren gaaaanz langsam Puttgarden entgegen.

Es dauert eine Ewigkeit, bis wir am Fähranleger angekommen sind. Mittlerweile hat sich der Wind weiter Richtung West gedreht. Heute haben wir echt kein Glück, es geht weiterhin gegenan. Unser Wendewinkel liegt bei etwa einhundertundzwanzig Grad. So kommen wir nur ganz langsam aus der Fahrrinne der der Vogelfluglinie raus und müssen ständig auf die ein- und auslaufenden Fähren achten. Die Wellen werden immer höher und steiler. So langsam wird es unschön hier draußen. Irgendwann hat Katrin die Idee, den Code 0 jetzt mal ganz einzuholen. Er hängt immer noch als Wurst vor der Genua rum.

Durch die höher werdenden Wellen schlagen jetzt immer mehr Wellen vorne über das Boot und beim Bergen wird nicht nur der Code 0 klatschnass. Dann reffen wir noch schnell das Groß. Erst ins erste und dann ins zweite Reff. Der Wendewinkel wird schlagartig besser. So geschätzt einhundert Grad. Wir werden den Code 0 nach dem Einrollen ab jetzt immer gleich bergen und nicht stehen lassen. Immerhin kommen wir jetzt schneller aus der Fährlinie raus und weiter Richtung Westen. Reffen bremst Polkas Drang nach vorne bei diesem Wind überhaupt nicht. Da weit und breit keine Berufsschifffahrt im Belt unterwegs ist, entscheiden wir uns für weite Schläge bis in die Fahrrinne der großen Pötte. So kommen wir ganz gut voran. 

Langsam wird es kalt und ungemütlich. Außerdem wird es immer später, wie das halt so ist. Gegenanbolzen ist wirklich nicht das Schönste, was man mit einem Mini machen kann. Und dennoch gibt es immer mehr Minis in Deutschland. Und immer mehr gehen mit ihren kleinen, seegängigen “Glitschkisten” an die Startlinien der Regatten. Die neueste Regatta ist die Baltic 500, die in diesem Frühsommer zum ersten Mal gestartet wurde. 500 Seemeilen von Strande am Ausgang der Kieler Bucht, durch den Öresund an Kopenhagen vorbei, entlang der Westküste Schwedens um die Insel Læsö. Dann an der Ostseite von Jütland gen Süden durch den Großen Belt zurück nach Strande. Immerhin 10 Minis waren am Start. 8 davon sind angekommen. 

Wenn hier noch zwei Mann Crews an den Start gehen, sind es beim Silverrudder nur noch Einzelfahrer die sich der Herausforderung stellen, Fünen im Herbst etwa zur Tag-Nacht Gleiche zu umrunden. Also 12 Stunden Dunkelheit pro Tag. Letztes Jahr hatte ich auch gemeldet, habe meinen ersten Versuch, eine Einhand-Regatta zu bestreiten dann aber wegen der stürmischen Winde aufgeben müssen.

Was hat mich dazu bewogen, beim Silverrudder mitzufahren? Abenteuerlust? Immerhin ist so eine mehrtägige Regatta eines der letzten Abenteuer unserer Zeit. Midlifecrisis? Passt vom Alter, ich bin gerade 50 geworden. Sich einer neuen Herausforderung stellen? Klingt schon besser. Das “normale” Leben birgt keine großen Herausforderungen mehr. Sich mit anderen messen zu können? Ja, der Spruch: “Ein Boot: segeln. Zwei Boote: Regatta.” ist ja nicht so ganz falsch. Oder ist es nur die einfache Lust Lust am Segeln? Ja, das kann ich auch bestätigen. 

Ich denke am Ende sind es all diese Dinge, die so viele Normalos hin und wieder dazu bringen, sich einer ganz besonderen Aufgabe zu stellen und für ein paar Tage den Alltag und den ganzen anderen Sch… zu vergessen.

Wir sind zusammen letztes Jahr zwei Regatten mitgesegelt. Einmal das 24 Stunden Rennen, das uns kreuz und quer über die westliche Ostsee schickte und dann “Südsee Rund”, eine eher private Veranstaltung mit 120 Seemeilen Strecke. Beide Male waren wir hellwach und haben immer versucht, die Segel wirklich optimal einzustellen. Klar, wir waren noch nicht so gut, dass wir unseren Code 0 bei ordentlich Wind zwischen den dänischen Inseln hochgenommen hätten, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir alles gegeben. Probiert es mal aus, sobald man eine Regatta segelt und sei es auch nur aus Spaß, schon beschäftigt man sich viel intensiver mit dem Boot und was man an Potential raus holen kann. Sei es durch Fahrtenstrategie oder Segelstellung. Wir für uns können jedenfalls sagen, dass wir eine weitere Tür aufgetan haben und noch deutlich mehr über das Segeln nachdenken. 

So auch heute. Wir segeln ja nicht aus Langeweile Fehmarn Rund und kommen irgendwann durchgefroren und nass in der Nacht wieder im Hafen an. Nein, wir stellen uns dieser Strapaze, weil wir für kommende Regatten üben wollen. Und wie kann man besser üben, als auf einen Rundkurs? Probiert es aus, plötzlich segelt man nicht nur von Kiel nach Schleimünde, genießt die Nachmittagssonne im Cockpit und segelt dann am nächsten Tag zurück. Plötzlich steckt man sich neue Ziele und erlebt alleine oder gemeinsam ganz tolle Momente und düst als Team deutlich weitere Strecken, als vorher.

Aber zurück zu unserer Fehmarn Runde. Kurz bevor wir die Nordwestspitze Fehmarns erreichen krame ich etwas zu Essen aus der Kabine. Als mal wieder eine Welle über das Vorschiff geht, tropft es wild aus dem Luk. Ich fummele dran rum und habe das Gefühl und die Hoffnung, dass der eine Riegel nicht ganz zu war. Jedenfalls sind Matratzen und Schlafsäcke schön durchnässt. Mist, dann heute Nacht auch noch im Nassen schlafen. 

Dafür meint es die Polka und das Wetter jetzt noch einmal gut mit uns. Als die Sonne am Nachthimmel verschwindet, bekommen wir den herrlichen West auf unserem Südkurs schön von der Seite. Wir reffen aus und fahren durchgehend über Rumpfgeschwindigkeit die Westküste Fehmarns entlang. Vergessen ist die hackige Kreuz und das nasse Bett. Polka ist in ihrem Element. Wir auch. Dafür tut man sich das an. Segeln im Dunkeln mit einem Affenzahn. Das laute Rauschen der Heckwelle hinter uns und wir glücklich auf unserer kleinen, schnellen Welt. 

Irgendwie freuen wir uns, dass wir im Sund nachts um halb eins noch drei Seglern begegnen. Nachtsegeln ist wunderbar. Sollte bei jedem auf der ToDo Liste stehen, der das noch nicht ausprobiert hat.

Ziemlich fertig erreichen wir um ein Uhr die Marina Heiligenhafen. Wir schnappen uns wie wir sind zwei Dosen Bier und watscheln in unserem nassen Ölzeug mit Stiefeln zum Fischereihafen. Hafenbier auch aus Dosen kann so wunderbar lecker sein. Die Nässe in unserer Kabine bemerken wir nur noch ganz am Anfang, bevor wir tief und fest einschlafen. Was für ein herrlicher Tag.

 

Abendstimmung auf der Schlei

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 22-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 41 sm    signifikantes Wetter: sonnig

Samstag – lass jeden machen, wie er meint

Der Urlaub neigt sich langsam dem Ende zu. Wir wollen die Zeit noch etwas genießen und da das Wetter super ist, legen wir die Matratzen und Schlafsäcke nach draußen und machen uns auf dem Weg zum Frühstück.

Manchmal muss man die Matratzen trocknen

Bäcker Puck hat eine schöne Backstube nicht weit vom Hafen. Hier waren wir schon oft. Man kann so herrlich draußen sitzen und Leute begucken während man ein günstiges, aber leckeres Frühstück genießen kann.

Ich muss an meinem Outfit arbeiten. Als ich mit unseren beiden Frühstückstabletts rauskomme meint ein anderer Gast ich sei der Kellner. Er wird echt knurrig, als ich ihm unser Frühstück nicht abtreten will. Am Ende beruhigt sich alles und er holt sich sein eigenes Frühstück drinnen ab.

Unser heutiges Ziel ist Schleimünde. Wir bereiten uns viel zu wenig auf die Fahrt vor und schippern ganz gemütlich, heute erst gegen zwölf Uhr Richtung West. Bei nur wenig Wind, fast gegenan geht es gemächlich los. Die letzten Tage war ein großes Manöver in den Warngebieten Todendorf und Putols. Das hätte einen weiten Umweg bedeutet. Aber heute pünktlich um 12:30 ist die Natoübung beendet und wir können den geraden Weg nehmen. Mit uns nutzen noch einige andere das Zeitfenster und segeln in Richtung West. Einige sicherlich zur Kieler Woche, die heute beginnt. 

Mit einigen anderen, die auch Richtung Schlei oder Richtung Flensburger Förde unterwegs sind können wir uns messen. Sie sind gar nicht schlecht unterwegs, bis der Wind einen kleinen, aber für uns ausreichenden Dreher auf Süd macht. Wir sind nicht mehr ganz hart am Wind unterwegs. Jetzt werden bei dem leichten Wind und der kleinen Welle die anderen zu Statisten degradiert. Als wir den Code 0, der von gestern noch getrocknet werden muss setzen, fahren wir 4 Knoten. Wir haben leider keinen Windmesser an Bord. Aber viel mehr als 4 Knoten Wind haben wir heute sicherlich auch nicht. Da haben die schweren, wenn auch viel größeren anderen Boote nicht den Hauch einer Chance. 

So geht es Meile um Meile der Schlei entgegen, die weiter weg ist, als gedacht. Nächstes mal doch besser die Karte studieren und mal rechnen. Der Wind dreht auf Ost und wir wechseln den Code 0 gegen den Code 5 aus. Heute hätten wir auch den großen Spi setzen können. Wenn man keinen Gegner hat, wird man schnell lethargisch. Wir denken einfach nicht dran.

Katrin in der Dämmerung

Die Fahrt ist so ereignislos, dass ich nichts weiter berichten kann. Erst gegen 22 Uhr, wir sind unter Segeln in die Schlei gefahren, versuchen wir unser Glück in Schleimünde. Klar, irgendwo hätten wir uns reinquetschen können. Aber die Giftbude war schon zu und wir hatten beide keine Lust auf Reinquetschen. Segel wieder hoch und weiter durch einen herrlichen Sonnenuntergang nach Maasholm. Ganz leise gleiten wir dahin. Das hat sich definitiv noch gelohnt.

Abends in der Schlei

Erst kurz vorm Hafen bergen wir die Segel und werfen unseren Jockel an. Wir nehmen den erst besten Liegeplatz und machen uns auf, die Stadt nach etwas essbaren und einem kühlen Bier abzusuchen. Das Einzige was wir finden ist eine Raucherkneipe. Niemand beachtet uns als wir das übliche Moin durch die dichten Rauchschwaden als Gruß bringen. Wir gucken uns an und sind uns beide einig, heute gibt’s doch wieder ein Dosenbier zum Einlaufen und irgendeine Kleinigkeit aus der Backskiste. 

So sitzen wir an unserem letzten Abend da, reden kaum, beobachten die Möwen und genießen die Situation. Keiner von uns beiden möchte in diesem Moment woanders auf der Welt sein.

Beim Segeln ist es oft so. Manchmal hat man Stress und weiß gar nicht wo man anfangen soll und manchmal sitzt man nur da. Lässt die Gedanken kreisen. Psychologen werden irgendwas wie zu sich selbst finden diagnostizieren. Mit ist es egal, was es ist. Was ich aber mittlerweile ganz klar sagen kann, solange wir noch rausfahren, ist es nie langweilig. Manche Segelboote könnten sicherlich Balkonkästen an die Handläufe auf dem Vordeck befestigen. Wenn man schon nie rausfährt, sollte man wenigsten etwas frisches zu Essen haben. Klingt nach Vorwurf. Wenn ich so drüber nachdenke wäre ein Vorwurf aber total falsch. Immerhin raus. Ein Hobby haben und wenn es nur darin besteht, dass Boot für den Fall der Fälle fahrbereit und sauber da stehen zu haben. Was machen Dauercamper? Auch nicht mehr. Meine Eltern hatten früher auch einen Wohnwagen. Da sitzt man auch viel davor und guckt gemütlich in die Welt. Und ist Glücklich damit!

Es wäre falsch jemanden vorschreiben zu wollen, wie er sein Hobby ausleben soll. Da gibt es die, die fast nur im Hafen bleiben und das Boot als Ferienwohnung nehmen. Andere segeln bei 2-3 Bf kleine Strecken und sind damit glücklich. Die nächsten segeln wann immer es geht. Zum Beispiel den kompletten Chartertörn. Egal wie viel Wind weht. Oder die vielen Regattasegler, die auf ihren kleinen Jollen Dreieckskurse fahren. Tag für Tag. Sie alle haben ihren Spaß bei dem was sie machen. Ob auf dem Baggersee, der Ostsee, im Mittelmeer oder irgendwo anders auf den Weltmeeren.

Alle machen lassen. Sollten wir auch für andere Lebensbereiche übernehmen.

Heimweg

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 23-06-2019
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 26 sm    signifikantes Wetter: sonnig

Sonntag – Von Rekorden und Zielen

Die heutige Aufgabenteilung: Katrin schläft aus und Thomas kauft Brötchen. Nur Spaß, ich bin einfach zu früh wach geworden und schon mal los. 

Wir frühstücken und kommen heute um halb elf los. Rekord. Der Wind kommt aus Ost und in der Schlei genau von gegenan. Also den kleinen internen Tank des Außenborders auftanken und los. Kurz vor der Ausfahrt überholt uns ein Folkeboot. Vor- und Großsegel liegen zum Setzen bereit. Uns erwarten eine steile und ziemlich hohe Welle. Daher hatten die meisten das Groß schon zuvor in der Schlei hochgezogen. Wir beobachten den Folkebootfahrer. Ganz schöner Tanz auf dem wild hüpfenden und rollenden Boot. Sieht eher nach Rodeoreiten als nach Segeln aus. Findet der Kollege wohl auch und lässt die Fock lieber unten. 

Jetzt sind wir dran. Der Motor quält sich gegen an. Gut gesichert gehe ich nach vorne. Ist gar nicht einfach das störrische Groß mit seinen Latten bei diesem Ritt durch die Steile Welle hoch zu bekommen. Irgendwann klappt es aber und als dann noch die Genua steht, beruhigt sich unser Wildpferd und kennt nur noch eine Richtung, vorwärts. Wieder sind wir beiden total begeistert von diesem kleinen Boot. Das ist Sport, geiler Sport sogar. Die Windstärke liegt konstant bei 4 bis 5 Bf. Immer wieder sehen wir heute große, seegängige Yachten, auf denen die Mannschaft kurzärmelig hinter der Spritzkappe sitzt. Locker werden die 12 Meter Yachten durch die unruhige See gejagt. 

Dagegen sitzen wir in vollem Ölzeug da, bekommen Gischt ab und kämpfen mit der Natur. Nicht schlimm, gerade so, dass es riesig Spaß macht. Haben wir ja so gewollt. 

Hinter dem Sperrgebiet zwischen Schleimünde und Damp müssen wir noch etwas höher an den Wind. Wir reffen das Groß. Das klappt mittlerweile super. Der ganze Horizont vor Kiel ist voll mit Segeln. Aus der eckernförder Bucht kommen gerade die Teilnehmer der Aalregatta. Vor uns ist ein riesiges Feld von kleinen Jollen. 

Es folgt eine Slalomfahrt durch die Regatten. Die kleinen Dinger sind ja so schnell und flink, dass wir mehrmals ganz schnell ne Wende fahren müssen um nicht quer durch eines der Regattafelder zu ballern. 

Irgendwann sehen wir auch den Folkebootfahrer wieder. Wir ziehen kurz vor ihm vorbei. Er hat immer noch seine Fock nicht oben. Dafür hat er das mit dem Sperrgebiet nicht so ernst genommen und ist gerade durchgeballert. Also sagen wir unentschieden. Wir außen herum und er ohne Fock ;-}.

Zwischenzeitlich hören wir ein leises “Mayday, Mayday, Mayday” aus der Kabine. Eigentlich bekommt man hier draußen nichts vom Funk mit, aber das vernehmen wir doch. Ich werde neugierig und geh runter zum Funk. Einer der Teilnehmer der Aalregatta hat einen Ruderbruch. Bremen Rescue kümmert sich darum. Das Mayday finde ich hier deutlich übertrieben.

Es scheint endlos zu dauern, bis wir endlich die Fahrrinne des Kiel-Ostsee-Wegs erreicht haben. Gerade läuft die Magic Color aus der Kiele Förde aus. Für den Frachter, der gerade einlaufen will, sind wir schnell genug. Die Magic Color lassen wir vor uns passieren. Fahrrinne queren finden wir immer spannend. Ein anderer, der meinte er schafft es noch, wird böse von der Magic Color angehupt. 

An der Ansteuerungstonne fallen die Segel und wir laufen ein. Erst einmal bringen wir ganz in Ruhe das Boot in Ordnung. Dann geht es in den Imbiss zum späten Mittagessen. Um 18 Uhr haben wir alles geschafft. Leider. Wieder ist eine Woche Urlaub zu ende. Wieder haben wir viel erlebt und genauso viel gelernt. Wieder sitzen wir traurig im Auto, weil es viel zu schnell zu Ende gegangen ist. Zu bemerken ist, dass wir keine Schäden an der Polka haben. Es ist nichts neues Kaputt gegangen. Einen Rekord haben wir schon mal geschafft!

Und unsere Vorsätze, haben wir alles geschafft?

Wir reffen jetzt innerhalb von Sekunden ein und aus. Wir bekommen Code 0 und Code 5 recht gut gesetzt und geborgen. Das kann sich allerdings noch deutlich verbessern. Besonders bei mehr Wind. In der Spitze hatten wir 10,8 Knoten auf der Logge: Neuer Rekord und das Allerbeste: Katrin ist mittlerweile das erste Mal ganz alleine mit der Polka rausgefahren. Sehr gute Ausbeute für eine Woche Mini intensiv.

Katrin: Obwohl ich das gar nicht besonders geübt hab.