Vorbereitung 24 Stunden Regatta

24-Stunden Regatta

Eine verpatzte Generalprobe sorgt für eine gelungene Premiere

Wir haben uns für die 24-Stunden Regatta angemeldet. Das Prinzip der Regatta ist Folgendes: Start ist Mönkeberg, wo auch die Skipperbesprechung stattfindet. Der Zielhafen ist Möltenort. Freitag um 20 Uhr geht es los, es können bestimmte Häfen in beliebiger Reihenfolge angesteuert werden, jeder maximal zwei Mal. Zwischen 18:00 Uhr und 20:30 des nächsten Tages muss die Ziellinie wieder überfahren werden und wer dann die meisten Meilen gesegelt hat, hat gewonnen.

Das soll also unsere erste Regatta, nicht nur mit der Polka, werden. Keine Kämpfe mit anderen Booten um die schnellste Umrundung der Tonne, sondern viel Fahrtenstrategie. Sollte möglich sein…

Praktische Vorbereitung

Allerdings liegen wir mit der Vorbereitung wegen unserem Werftaufenthalt weit zurück. Unsere neuen Vorsegel haben wir noch nie gesetzt. Das ist unser letztes Wochenende vor der Regatta und der Wind bläst ordentlich. Wir haben auch noch einiges zu basteln: Funkgerät anschließen, Gennakerbaum verstagen, weitere Beschläge anbringen. Am Sonntag sind wir fertig, der Wind geht auf fünf Windstärken runter und wir werfen den Außenborder an. Draußen ist viel los, ein Regattafeld von rechts, eins von links, Begleitboote, Freizeitskipper. Die meisten von denen werden keine Zeit haben, das Chaos, das wir gleich veranstalten zu bemerken.

Großsegel setzen

Wir wollen das Segel so setzen, wie es uns der Segelmacher gesagt hat, und wie das wohl auch die Profis machen: Das Großsegel auf Deck und in die Plicht legen damit es gerade vor der Nut liegt, in die es eingefädelt werden muss. Ich halte das Boot im Wind, Thomas löst die Zeisinge, fädelt das Segel in die Nut ein und beginnt, das Segel hochzuziehen. Das geht aber nicht so zügig wie gedacht. Eine Leine liegt quer vor der Nut und das Segel muss wieder runter. Nun aber greift der Wind unter das sperrige Segel und weht es nach hinten und zur Seite aus. Es liegt im Wasser. Ich greife mir das Segel und versuche gleichzeitig das Boot im Wind zu halten während Thomas die Leinen sortiert. Der Außenborder geht aus. Ich werfe ihn wieder an. Dabei weht mir eine Leine ins Auge und eine Kontaktlinse weht davon. Das ist nicht gut, ich sehe ziemlich schlecht und nun nur noch mit einem Auge. Aber das ist jetzt egal. Wir wuseln uns das zurecht und irgendwann nach vielen Versuchen steht das Groß. Ich grummle vor mich hin. Wir werden uns bis auf die Knochen blamieren bei der Regatta. Noch können wir absagen, oder einfach nicht erscheinen.

Thomas bleibt Optimist und fängt an, bei ordentlich Restwelle unter voller Fahrt die Lazyjacks wieder zu monieren. Mag sein, das die Profis es anders machen, aber wenn es für uns Fahrtenseglerblinsen einfacher ist…

Danach ein neuer Versuch. Zunächst das Großsegel bergen. Wir versuchen gleich wieder was Neues und lassen die Fock stehen, gehen auf einen Kurs hart am Wind und werfen das Großfall los. Das Groß fällt einwandfrei in die Lazyjacks. Das klappt schon mal. So und Segel setzen? Geht auch problemlos. Ich ziehe mein Regattaveto wieder zurück. Die beiden von der Pogo 239 setzen ihr Groß ab Minute 0:40 auch mit Lazyjacks. Wir sind also nicht allein mit unserer Methode.

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https://www.youtube.com/watch?v=vheCOUTBhQs

 

Eins der neuen Vorsegel wäre noch schön für ein bisschen Regattagschwindigkeit.

Code 0 setzen

Thomas klappt den Gennakerbaum aus. Der Beschlag um ihn aus dem Cockpit raus zu setzen ist zu lang und hängt an der Klampe auf dem Vorschiff.  Den Beschlag haben wir über den Winter vom Schlosser aufs Geratewohl anfertigen lassen. Den werden wir noch versetzen müssen. Thomas schlägt den Code 0 an und zieht ihn hoch und nach vorne. Ich habe die Aufgabe, die Endlosleine vom Furler zu halten, damit der Code 0 nicht aufgeht bis er steht. Leider ist mir das Prinzip nicht ganz klar. Auf der Leine sollten Pfeile drauf sein, dann könnte man sehen, auf welcher Seite man ziehen muss. Der Code 0 steht also schneller als gewünscht, aber er steht und wenn ich Thomas so anschaue steht er gut. Ich seh nix, da ist das Großsegel vor und dann klappt auch schon der Gennakerbaum hoch. Auch Spleißen will gelernt sein. Können wir dann bei Gelegenheit noch mal am Wasserstag üben da hat gerade unser selbstgebastelter Flaschenzug aufgegeben. Immerhin ist der Beschlag nun so nach oben gebogen, dass er sauber über die Klampe läuft.

24 Stunden sind eine lange Zeit zum basteln und dabeisein ist alles. Wenn wir seglerisch nicht glänzen können, wie sieht es dann mit der Fahrtenstrategie aus?

Theoretische Vorbereitung

Wie sieht das eigentlich in Fynshav oder Spodsbjerg aus? Da waren wir noch nie und wir brauchen ein Bild von uns vorm Briefkasten. Kann man da nachts reinfahren? Und bei Starkwind aus West?

Das sind die Häfen, die man ansteuern kann:

Mönkeberg

Der Yachthafen Mönkeberg ist der Zielhafen. Die Ziellinie wird durch den Mast auf der Hafenmole und einer ausgelegten Boje gebildet, der Zielein­lauf muss von Norden her erfolgen.

Möltenort

Möltenort ist der Starthafen. Ansonsten macht es nicht viel Sinn, mit der Polka durch die Förde zu segeln. Wendige Manöver fahren, das können die andern besser.

Laboe

Kann man mitnehmen, wenn wir am Schluss Zeit haben.

Wendtorf

Unser Heimathafen. Da kennen wir uns aus, kein Problem.

Strande

Wenn wir aus Bagenkop kommen macht Strande als nächster Stop Sinn, dann müssen wir nicht den ganz großen Bogen um das Verkehrstrennungsgebiet am Leuchtturm Kiel machen.

Eckernförde (Stadthafen)

Der Vorteil von Eckernförde: Da steht kein Schwell vor dem Hafen. Allerdings liegt in der Förde ein Sperrgebiet das den Platz zum Aufkreuzen einschränkt. Bei schlechter Sicht sind die Tonnen schwer zu sehen.

Damp

Hier kennen wir uns aus. Kein Problem und kurze Hafeneinfahrt.

Schleimünde

Vor Schleimünde steht bei auflandigem Wind fieser Schwell und mit unserem Außenborder muss ich dann auch nicht gegenan da wieder raus. Aber bei gutem Wetter immer gerne.

Sonderburg (Yachthafen)

Ein großer Yachthafen kann Tag und Nacht ohne Probleme angefahren werden.

Mommark

Einer unserer neuen “Lieblingshäfen”. Seit wir die POLKA fahren, kommen wir an einem Tag schnell hin.

Nachts sollte es laut Hafenhandbuch lieber nur bei ruhigem Wetter nach Mommark gehen. Aufpassen müssen wir auf jeden Fall auf das Flach nordöstlich der Hafeneinfahrt. Also schön an den Tonnenstrich halten!

Wenn wir östliche oder westliche Winde haben, könnte der Hafen erste Wahl werden. Immerhin werden uns 34,6 Meilen (mit unserer Yardstickzahl auf 33,9 Meilen bereinigt) von Möltenort aus gutgeschrieben. Außerdem hat Mommark eine recht kurze Hafeneinfahrt und offen zugängliche Toiletten. Leider gibt’s es morgens nur Brötchen auf Bestellung.

Fynshav

4 Seemeilen weiter als Mommark befindet sich Fynshavn. Auch hier haben wir eine sehr kurze Hafeneinfahrt, was uns mit unserem Außenborder, mit dem wir im Gegensatz zu den Booten mit Innenborder nur relativ langsam unterwegs sind, sehr entgegen kommt. Nachts sollten wir den Hafen allerdings nicht anlaufen. Es gibt eine Menge Stellnetze und quer setzenden Strom bei Starkwind. Hier fahren wir also nur bei umsichtigen Wetterverhältnissen und am Tage hin, zumal wir hier auch anscheinend keinerlei Versorgungsmöglichkeiten haben und den Hafen noch nie angelaufen sind.

Søby

Kann man gut nachts anlaufen. Das unangenehme an Søby ist, dass wir die Nordspitze Ærøs umrunden müssen und den selben Weg wieder zurück. Irgendwann heißt es also gegenan kreuzen. Eventuell klappt es bei Westwind.

Marstal

Unser Lieblingshafen, mit einer laaangen Einfahrt. Ob er auch beim 24-Stunden Rennen unser Lieblingshafen werden kann, ist wegen der langen Motorstrecke und dem damit durch unseren langsamen Motor verbundenen Zeitverlust wird, eher fraglich. Eventuell könnten uns Winddreher in seine Richtung treiben. Müssen wir abwarten. Jedenfalls ist die Einfahrt gut befeuert.

Bagenkop

Hier kennen wir uns aus. Der Hafen ist auch nachts gut anzulaufen. Nur bei Starkwind aus Westen steht eine fiese Welle auf dem Hafen und es wird schwierig für uns, aus dem Hafen wieder rauszukreuzen. Wenn hier Welle steht, können wir nicht vor dem Hafen die Segel setzen. Bei Starkwind aus West nehmen wir lieber Mommark oder Spodsbjerg. Die Versorgung in Bagenkop ist recht gut. Es gibt Brötchen direkt am Hafen und die Toiletten sind frei zugänglich. Im Vorhafen, wo wir unter Motor fahren dürfen, ist genug Platz zum Manövrieren und wir haben kaum Zeitverlust, da hier keine lange Hafeneinfahrt zu passieren ist. Wenn wir uns die angefahrenen Häfen in 2017 ansehen, war Bagenkop der wohl meist angelaufene (fern-) Hafen überhaupt.

Spodsbjerg

Neben Lohals und Fynshav sind wir auch Spodsbjerg noch nie angelaufen. Direkt nebenan liegt der Fährhafen nach Lolland. Dadurch ist die Befeuerung laut Hafenhandbuch hervorragend, so dass wir auch nachts gut hier herfahren können. Eigentlich ein scheinbar toller Hafen zum Anfahren. Nur leider ist die Lage für unser Boot ungünstig. Haben wir Westwind, werden wir uns nicht so weit nach Osten trauen, bei Ostwind kommen wir nicht so weit gegen den Wind nach Osten. Für Nord- und Südwind gilt quasi das selbe. Dann müssen schon starke Winddreher angesagt sein, dass wir uns hierher verirren.

Lohals

Wenn wir uns schon Spodsbjerg wegen der nordwestlichen Lage nicht als möglichen Hafen vorstellen können, dann ist Lohals für uns kaum erreichbar. Lohals liegt noch fast 20 Seemeilen weiter nördlich. Der Hafen ist dann auch noch eingebettet ins Flachs, so dass er eigentlich für uns ausfallen sollte.

Burgtiefe oder Burgstaaken

Burg läßt sich immer gut anlaufen. Nur hinkommen muss man erst mal. Gegen den Wind fahren wir auf keinen Fall durch die Fehmarnsundbrücke. Also bei Westwind geht die Rückreise auf jeden Fall außen rum.

Heiligenhafen (Yachthafen)

Auch immer gut anzulaufen. Nur die lange Ansteuerung des Hafens schreckt ab. Da müssen wir unter Umständen lange jockeln.

Lippe

Lippe werden wir nur tagsüber ansteuern. Dann wärs o.k.

Und in welcher Reihenfolge nehmen wir die Häfen?

Hängt natürlich vom Windstärke und -Richtung ab. Grundsätzlich so wenig Hafenmanöver wie möglich. Die kosten Zeit, besonders bei unserem sperrigen Großsegel und dem Getüdel mit dem Außenborder. Also auf jeden Fall zu Anfang ein langer Schlag. Möglichst quer zur Windrichtung, denn kreuzen mag die Polka nicht so. Und es sollte ein Hafen sein, den man nachts ansteuern kann, am Besten einer, den wir auch schon angesteuert haben? Bei viel Wind, bitte ein Hafen ohne Grundseen.

Welche Häfen kommen also als erste Ansteuerung in Frage?

Wenn es nicht gerade Flaute ist: Bagenkop oder Burg. Die längste Strecke, die man von Möltenort aus segeln kann ist Lohals mit 61,5 sm. Da wollen wir aber nicht hin. Außen um Fehmarn rum nach Burgtiefe bringt 39,8 sm. dafür müssen wir aber mindestens 3,5 Knoten im Schnitt laufen, sonst kommen wir nicht rechtzeitig zurück. Bei Wind aus Nord oder Süd wär das o.k. Auf dem Rückweg könnten wir schauen, wie weit wir kommen. Da gibt es eine breite Auswahl an Häfen. Bei West- oder Ostwind müssten wir auf der Strecke Kiel -> Fehmarn allerdings eine Strecke aufkreuzen. Das ist nichts für die Polka.

2017 schafften es nur 7 von 15 gestarteten Booten rechtzeitig ins Ziel. Viele hatten die Flaute unterschätzt: Kieler Nachrichten

Segel setzen: Wendtorf

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 24-06-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 25 sm    signifikantes Wetter: kalt und windig

Marina Wendtorf

Das Großsegel läßt sich ohne Lazyjacks nicht bändigen, mit geht es aber. Das Wasserstag hat nicht gehalten. Müssen wir neu machen.

Zwischendurch aber schön gesegelt.