Gedanken

Wenn was kaputt ist, machs fertig

Thomas klebt ab

Sich selbst helfen können ist alles

Da beschreibt Jan Heinze in seinem Buch “Atlantikfieber” wie ihm mitten auf dem Atlantik eines der beiden Ruder seines Minis um die Ohren fliegt. Aufgeben oder weitermachen. Wäre sicherlich kein Buch raus geworden, wenn er sich nichts überlegt hätte. Sich selbst helfen können ist alles!

Oder Wilfried Erdmann beschreibt in seinem Buch “Mein Schicksal heißt Kathena” wie ihm direkt zu Beginn seiner Weltumseglung die Uhr ins Wasser fällt und er nicht mehr mit seinem Sextanten navigieren kann. Er segelt einfach weiter und wird somit der wohl bekannteste Segler Deutschlands.

Das sind natürlich Extreme und nicht der Normalfall. Aber wenn ich mal darüber nachdenke, was Katrin und ich schon alles repariert oder gebastelt haben, von dem wir anfangs nicht den Hauch einer Ahnung hatten, ist das schon bemerkenswert. 

Der Ferryman Diesel springt nicht mehr an

Das erste Mal, dass ich einen Diesel reparieren musste, war noch mit unserer Wasserläufer. Die hatte einen 7 PS Ferryman Selbstzünder. Laut Dehler Händler kam der ursprünglich aus einer Rüttelplatte und wurde nur marinisiert. 

Ferryman Selbstzünder 7 PS
Ferryman

Der Motor sprang einfach nicht mehr an. Ich habe bestimmte eine Stunde rumgebastelt und war kurz vorm aufgeben. Dann endlich schaltete sich der Stegnachbar ein. Seine kurze aber passende Diagnose war: “Der hat Luft gezogen!”. Er hat mit mir dann gegen ein paar Bier locker eine weitere Stunde immer wieder den Motor entlüftet und erneut versucht zu starten. Beim gefühlten 20ten Versuch, die Batterie war längst leer und wir mussten den Jockel mit der Kurbel anwerfen, klappte es dann tatsächlich. Es war Männertörn und aus dem Bootsinneren hörte ich die Jungs noch zwei Minuten vorher: “Man muss doch einsehen, wenn er kaputt ist!”. Und plötzlich lief er wieder. 

“Ich kann fast alles reparieren, wenn ich genügend Zeit habe!”

Was ich damals gelernt habe? Natürlich eine ganze Menge über Bootsdiesel und wie einfach die Dinger gebaut sind. Wenigstens die Alten. Und dann, “Nur weil es mal etwas länger dauert, muss nicht gleich ein Mechaniker an Bord”. “Ich kann fast alles reparieren, wenn ich genügend Zeit habe!”.

Wassereinbruch auf der ARGO

Dazu kommt mir gleich der zweite Gedanke: ich kann mich noch an die Situation erinnern, die für uns schon etwas dramatischer war. Wir waren mit der Argo unterwegs. Ich glaube von Fehmarn zurück nach Wendtorf. Es stand eine ganz unangenehme kurze und steile Welle von vorne. Der Motor lief. Irgendwann bin ich runter ins Boot, was zu trinken holen. Dann der Schock, die Bodenbretter waren schon leicht aufgespült. Das Boot begann vollzulaufen. Ich habe natürlich gleich nach oben gebrüllt, dass sich alle bereit für irgendwelche Manöver machen sollen und mich dann auf die Suche nach dem Leck gemacht. 

Wir hatten zwar keine Notrolle Wassereinbruch, nach einer kurzen Geschmackskontrolle, leider Salzwasser, ging der erste Blick in den Motorraum. Ist das Seeventil für das Kühlwasser dicht, kommt Wasser aus dem Saildrive…? Das Wasser kam aus dem Wärmetauscher. Also Segel hoch, Motor aus, dann das Seeventil schließen.

Auch der Motor der Argo wurde marinisiert. Das heißt, er war ursprünglich für andere Zwecke gebaut worden und man hat ihn nachträglich auf eine Zweikreiskühlung mit Seewasser umgebaut. Dafür wurde ein wirklich ganz schlecht entwickelter Wärmetauscher verbaut, der das Kühlwasser des inneren Kühlkreislaufs mit Seewasser kühlt. Eingebaut wurde dieser seitlich am hinteren Ende des Motorraums, quasi unerreichbar von vorne. Außerdem wurde er genau über den Anlasser verbaut, was uns im Laufe der Zeit zwei Anlasser gekostet hat.

Antennenstecker anlöten
Antennenstecker anlöten

Das Problem an dem Wärmetauscher sind zwei Kupferrohre, die irgendwie eingeklemmt und nicht verschraubt sind. Die Kupferrohre sind weich und verbiegen sich schnell. Durch das Poltern der hohen Wellen ist eins rausgesprungen. Zur Reparatur musste ich den Wärmetauscher abbauen, das Rohr richtig biegen und dann beim Wiedereinbau des Wärmetauschers das Rohr wieder so einklemmen, dass es stramm saß und kein Wasser entweichen konnte. Die Herausforderung hier war, dass man durch eine 10 mal 10 Zentimeter große Klappe und irgendwie von hinten an die Stelle kommt. Eigentlich muss man sich erst die Hand auskugeln, bevor man da ran kommt. Außerdem waren der Motorblock und das Kühlwasser höllisch heiß und das Boot sprang von einer Welle zur anderen.

Katrin beim Streichen
Katrin beim Lackieren

Na klar, ADAC gibts nicht, für das Abschleppen durch die DGzRS ohne echte Seenot sind wir zu stolz und ich bin auch noch Westfale, also sparsam. Da bleibt nur, selbst mit dem Problem fertig werden. Nach knapp zwei Stunden surrte der Motor wieder, das Boot war leergepumpt und ich hatte völlig vermackte und leicht verbrannte Arme. Aber ich war glücklich und ein wenig Stolz, das Problem trotz der widrigen Verhältnisse selbst behoben zu haben. So eine Zufriedenheit, weil man etwas selbst geschafft hat, bekommt man im Leben nur selten, aber beim Segeln reichlich. 

Mir fällt kein Sport ein, in dem man mehr von McGyver haben muss, als beim Segeln

Ich kann hier noch viele Dinge aufzählen, was wir alles schon ausgetüftelt und gebastelt haben. Streichen und lackieren, laminieren und kleben, Stom neu machen, Wasser installieren, Leinenführung. Aber auch tolle Tricks bei Hafenmanövern. 

Mir fällt kein Sport ein, in dem man mehr von McGyver haben muss, als beim Segeln. Sich selbst helfen können ist alles! Probiert es aus!

Hier findet ihr unsere Tipps und Tricks.

Youtube Video zu Jan Heinzes Buch Atlantikfieber.

Frühstück an Bord
ThomasDeckshand, Maschinist, Bootsmann

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