Sommertörn 2018 – Urlaub auf dem Mini 6.50

Kleiner-Belt-Logbuch

Wenn man drei Wochen auf einem Mini 6.50 Urlaub machen will, muss man entweder viel Kummer gewohnt sein oder sich sehr mögen. Zweites ist zutreffend.

Was bringt ein Paar dazu, beide so um die 50 Jahre alt, das bequeme Wohn- und Fahrtenschiff zu verkaufen, sich einen Mini 6.50 anzuschaffen und dann drei Wochen im Sommer über die Ostsee zu fahren?

Die Antwort ist einfach: Mehr als 7 Meter braucht kein Mensch. So haben wir uns das bisher eingeredet. Diesen Sommer wollen wir ausprobieren, ob das stimmt. Wir wollen das erste Mal länger als eine Woche mit dem Mini unterwegs sein. Nicht weit, Fünen Rund und die dänische Südsee. Es soll neben dem Test, ob wir 6,50 Meter tauglich sind auch ein Übungstörn für das Einhandsegeln werden. Außerdem wollen wir das etwas schnellere Segeln lernen. 10 Knoten und Gleitfahrt sind unser erklärtes Ziel.

Vorab gesagt, eine richtige Probe wurde es nicht. Dazu war das Wetter zu schön. Wir hatten nur ein einziges Mal Regen. Ein kleines Gewitter ist eines Abends über uns hinweg gezogen. Maximal zwei Stunden, dann war es wieder vorbei. Ein Ostseetörn ohne Regen kann keine richtige Probe sein. Den Test müssen wir wiederholen. Gerne .

Sommertörn

Wenig Gepäck

Wir wollten konsequent sein und uns beweisen, dass wir Minimalisten sind. Wir haben möglichst wenig Gepäck mitgenommen. Das ist auf einem 6,50 Meter Boot zu zweit gar nicht unbedingt notwendig, außer zur Gewichtsersparnis. Aber wir wollen auch gerne mal noch länger unterwegs sein und dann hilft es sicher, wenig zu brauchen. Gewicht falsch positioniert entscheidet schon mal über Gleiten oder nicht Gleiten. Wir haben jeder eine kleine Reisetasche an Kleidung und persönlichen Dingen mitgenommen. Die warmen Sachen hätten wir uns zum größten Teil sparen können, nur das konnten wir vor dem Törn ja nicht wissen.

Essen und Trinken

Etwas schwieriger als bei einem großen Boot ist die Lebensmittelversorgung. So ganz ohne Kühlschrank bei dem herrlichen Wetter ist die Lagerung teilweise schwierig. Durch den flachen Rumpf ist auch die Bilge nur knapp unter der Wasseroberfläche und somit kaum gekühlt.

Mit der Polka fahren wir deutlich weitere Strecken als früher mit der Argo. Wir kommen oft spät an und abends einkaufen ist also nicht immer möglich. Der Anteil an Nudelgerichten ist somit relativ hoch. Selbst eingekochte Bolognesesauce hilft uns aber darüber hinweg zu sehen, sehr lecker!

Der kleine Kartuschenkocher stellt sich als nur bedingt nutzbar heraus. Ein Liter Wasser dauert damit gerne 15 Minuten oder länger. Außerdem ist die selbst gebaute Halterung bei Seegang untauglich. Zu zweit geht es so eben. Alleine 15 Minuten auf den Kocher aufzupassen ist inakzeptabel. Wir werden aufrüsten und uns einen Jetboil besorgen müssen.

Wasser haben wir in einem weichen Kanister dabei, dazu Mineralwasser in Flaschen. Die dünnen Plastikflaschen platzen im Seegang, die dicken halten.

 

Ordnung

Die größte Herausforderung auf der Polka ist es mit zwei Personen Ordnung zu halten. Sobald etwas Welle ist, fliegt im Boot alles durcheinander. Wir müssen uns mal Taschen nähen, in die zumindest das Kleinzeug einfach reingeschmissen werden kann. Mit der Zeit gewöhnen wir uns aber an die permanente Unordnung. In dem kleinen Boot sucht man nichts besonders lange und wir haben nur Zeug dabei, das wir wirklich brauchen. Die Polka hat vier große Staufächer im Inneren. Die sind mit Holzplatten abgedeckt, auf denen man im Boot sitzen kann. Beim Öffnen der Platten scheint ein Vakuum alles was drauf oder daneben liegt direkt einzusaugen und unter der Klappe zu verkeilen. Jedes Mal muss erst alles von den Klappen runtergenommen werden, bevor man sie öffnen kann. Das nervt wirklich.

Segeln

Segeln mit der Polka macht Spaß.

Zuerst einmal hat man immer etwas zu tun. Das würde ich als den größten Unterschied und größten Vorteil sehen. Bei einem Fahrtenboot wird man schnell lethargisch. Da werden die Segel nicht mehr nachgestellt oder gewechselt denn der Unterschied in der Geschwindigkeit ist minimal. Wenn das Segel steht, dann steht es. Die Polka gibt dagegen sofort Rückmeldung wenn der Holepunkt geändert wird (jedenfalls auf dem Level, auf dem wir heute segeln). Auch die Manöver sind anspruchsvoller. Bis der Code 0 steht, gibt es einiges zu tun und wir wissen noch nicht, wie das am Besten geht. Jedes Manöver sprechen wir vorher durch, versuchen die Abläufe zu verbessern und fahren dann raus zum üben. Und das Üben macht Spaß. Der Stand der Segel wird permanent kontrolliert und angepasst. Einfach nur rumsitzen und den anderen fahren lassen funktioniert nur, wenn man zu müde ist und sich hinlegen muss. Ansonsten gibt es immer etwas zum Einstellen und Verbessern.

Ein einfaches Beispiel ist der Traveller. Bei der Argo konnte man ihn einbauen, da war er etwa einen Meter lang. Bei der Polka geht er über die komplette Breite des Bootes. Verstellt man hier was, ändert sich gleich der Twist im Segel .

Toll sind außerdem die recht kleinen Segel. Fahren wir am Wind und haben den Code 0 oben, führen wir knapp 70 qm Segelfläche. Das klingt für ein 6,50 Meter Boot erst mal sehr viel. Groß und Code 0 haben jeweils aber nur etwa 25 qm. Das ist einzeln gesehen überschaubar und vor allem beherrschbar. Wird der Wind plötzlich stärker, kann man die immer noch gut bändigen und reffen bzw. ganz einholen. Bei einem 40 qm Groß ist das schon eine ganz andere Nummer.

Ausrüstung

Aber wir wollen nicht schon wieder nur vom Mini schwärmen, sondern berichten, wie der erste große Test ausgefallen ist. Also weiter, wie war es im Boot? Aufgrund des fehlenden Regens war es bis auf ein paar Undichtigkeiten an der Luke im Vorschiff und an der zentralen Klampe vorne immer trocken im Boot. Es wurde aber sehr schnell sehr warm. Liegt wohl an unserer dunklen Lackierung und an der großen Oberfläche. Tagsüber schlafen fällt da schon extrem schwer.

Die elektrische Anlage der Polka ist verbesserungswürdig, uns fehlt z.B. der Windmesser.

Mit dem könnte man sich eine Tabelle machen, welches Segel bei welchem Wind gesetzt werden kann. So fehlen uns die Erfahrung und die Richtwerte. Wir müssen immer ausprobieren und treffen dabei nicht jedes Mal die richtige Konfiguration.

Selbststeueranlagen haben wir zwei. Eine autonome mit eigenem Kompass. Die wird einfach angeschlossen und aufgesteckt. Sie funktioniert soweit ganz gut, nur wenn es unruhiger wird, reicht der Ruderausschlag nicht und sie verliert schon mal den Kurs. Die andere ist Teil der eingebauten Raymarine Anlage ST60. Der Kompass ist fest ins Boot eingebaut und sie kann an den Windmesser angeschlossen werden und Winddreher ausgleichen. Die hat leider den Geist aufgegeben. Irgendwann hat sie nur noch gebrummt. Bis dahin hat sie aber auch viel Welle und Wind problemlos gemeistert. Wollen wir auf jeden Fall wieder reparieren lassen.

Der Tiefenmesser funktioniert einwandfrei.

Die Logge haben wir nicht richtig eingestellt bekommen. Die haben wir versucht mit dem GPS einigermaßen zu eichen. Klar, Strömung macht das Ergebnis ungenau.

Die Dreifarbenlaterne und die Innenbeleuchtung tun was sie sollen und sind OK.

Als Plotter fahren wir einen Fischfinder. Der hat zu wenig Kontrast. Details sind nur sehr schlecht zu erkennen. Dann befindet sich das Boot auf der Anzeige genau zentral. Bei anderen Plottern kann man das Boot eher ins untere Drittel stellen. Somit kann ein besserer Maßstab gewählt werden, da ja nach vorne mehr Fläche sichtbar ist. Überhaupt ist der Fischfinder sehr langsam. Wir sind also endlich mal nur nach Karte und Kompass gefahren, auch bei Nacht und das hat viel Spaß gemacht. Aber Safety first: Wir haben uns am Ende Navionics aufs Handy installiert und sind damit gefahren. Das ging erstaunlich gut, gerade bei Nacht.

Außenborder

Unser Außenborder. Der ist ein Fall für sich. Eigentlich funktioniert er immer einwandfrei. Aber warum auch immer, uns fehlt das Vertrauen in die Maschine. Liegt vielleicht an dem rappeligen Sound der Maschine. Bei einer Durchfahrt durch den Svendborgsund, nachts bei 3 Knoten Gegenströmung und zentnerweise Seegras an den Rudern und am Kiel haben wir gedacht er wäre kaputt. Es schien als würde er keinen Vortrieb mehr haben und Blasen auswerfen. Wir haben uns schon überlegt, wie wir im Urlaub an einen neuen kommen. Am nächsten Tag lief er wieder einwandfrei. Bleibt das schlechte Handling: Der viel zu kleine Schalthebel ist auf der falschen Seite zu weit unten. Schalten im Hafen ist eine Tortur. Wir werden uns einen anderen kaufen.

FAZIT

Der Urlaub hat extrem viel Spaß gemacht. Der fehlende Komfort war bei dem guten Wetter kein Problem. Der Platz ist für zwei Personen ausreichend. Dennoch sollten wir uns Stautaschen nähen, damit wir besser und einfacher Ordnung halten können. Sinnvoll ist sicherlich auch eine Abdeckung über den Niedergang, damit wir nachts, wenn es mal regnen sollte, das Schott auf lassen können. Es wird doch sehr schnell warm.

Das uns das Segeln mit dem Mini viel Spaß macht, wussten wir ja schon vorher. Wir haben wieder viel gelernt.Abläufe werden besser, die Manöver klappen auch einhand immer besser und wir sind heute schon wieder deutlich schneller unterwegs. Die 10 Knoten haben wir aber immer noch nicht knacken können. Der Rekord liegt bei 9,8 Knoten. Gleitfahrt: Check.

Wir beide sind auch auf dem kleinen Boot ausgesprochen kompatibel. Es gab nicht einmal Streit oder böse Worte. Für uns war die Entscheidung auf einen Mini 6.50 zu wechseln genau richtig.

Gemächlicher Start

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 16-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 13 sm    signifikantes Wetter: Flaute

Wasserdrohne

Wir starten spät denn erstens ist noch einiges am Boot zu tun und zweitens treffen wir einen Mini-Interessenten, dem wir gerne unsere Polka zeigen. Leider ist kaum Wind und auf dem Stollergrund schläft er vollends ein.

Anker auf

Wir werfen zu ersten Mal den Anker, ich bade und versuche mich als Wasserdrohne.

Dann versuchen wir es doch mal mit dem Code 0. Immerhin, wir fahren.

Thomas packt den Code 0 aus

Wir haben uns für diesen Urlaub ein „Motorverbot“ auferlegt, wir dürfen den Motor nicht als Flautenschieber nutzen. Und so erreichen wir erst lange nach Sonnenuntergang Damp.

Sonnenuntergang vor Damp

Der letzte brauchbare Liegeplatz ist unser. Am Strand angekommen wird grade die letzte Runde eingeläutet. Glück gehabt. Wir bekommen einen Becher Bier, der mit einer seltsamen Maschine von unten befüllt wird. Am Becherboden befindet sich ein Magnet, um den Becher nach der Befüllung zu verschließen. Warum baut man sowas? Soll das die Arbeitskräfte noch billiger machen, weil man dann nicht einmal mehr zapfen können muss? Schaut man mit so einem Becher verträumt in den Nachthimmel, kann es schon mal passieren, dass beim Spielen mit dem Becher sich der Inhalt auf die Hose verteilt. Glück gehabt, es gab eh kein neues mehr und wir konnten uns ins Boot retten.

Grillen in Søby

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 18-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 30 sm    signifikantes Wetter: Flaute

Gastlandflagge setzen

Tag zwei bringt uns nach Søby auf Aerø. Auf dem Weg dorthin kann die Polka ihren Vorteil des wenigen Gewichts bestens ausspielen. Bei spiegelglatter See werden wir, sobald sich der Code 0 aufbläst, schneller als der Wind. Im Hafen von Søby fangen wir uns das erste Mal auf dieser Reise einen riesen Büschel Seegras ein. Ein Gefühl, an das man sich erst gewöhnen muss. Das Steuern wird zur Glücksache und die Geschwindigkeit nimmt abrupt stark ab. Aber wir ergattern einen der letzten Liegeplätze. Abends wird gegrillt. Der Hafen ist super ausgestattet. Ein Pavillon mit mehreren Herden und Spülen sowie reichlich Grills und Sitzecken. Wir nehmen einen kleinen Grill der vom Vorgriller noch ausreichend glühende Kohle hat. Läuft.

Schöner Hafen für MINIisten.

 

 

 

 

Das erste Mal durch den Svendborgsund

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 18-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 17 sm    signifikantes Wetter: Sonne und Wind

Thomas an der Pinne

Wir haben Glück, das erste Mal durch den Svendborgsund und der Wind kommt schön von hinten. Nur unter der Fock zockeln wir durch die Brücke. Kein Kreuzen im engen Fahrwasser bei viel Verkehr. Puh….

Wir kommen nachmittags an. Der Hafen ist proppevoll, es ist zu spät um einen der wenigen Boxenplätze zu erwischen. Also gehen wir seitlich an ein dänisches Motorboot. Man liest bei Facebook viel über unfreundliche Dänen. Wir hatten auch diesen Urlaub wieder kein Problem. Ganz im Gegenteil. Nachdem wir erst langsam und nahe an dem Motorboot vorbei gefahren sind und nett gefragt haben, haben uns die beiden natürlich sofort geholfen und hatten ab da immer ein nettes Lächeln für uns parat. Neben uns hat dann später noch eine X-79 festgemacht. Ein junges Pärchen die bemerkten, dass sie eigentlich immer das kleinste Boot haben. Dieses Mal nicht!

 

Es geht einiges zu Bruch

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 19-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 15 sm    signifikantes Wetter: Sonne und Wind

Wein durchweicht

Ab jetzt geht es auf den „Silverrudder Kurs“. Einmal rund Fünen. Wir fahren gegen den Uhrzeigersinn Richtung Ost und dann den großen Belt hoch.

Heute steht Halsen üben auf dem Programm. Das ist beim Mini ein kritisches Manöver, weil immer ein Backstag durchgesetzt sein muss. Wir bekommen das aber überraschend gut hin bis es bei einer Halse einen Schlag gibt und das Groß ausrauscht. Der Schäkel von der Großschot ist gebrochen. Wir haben einen Ersatzschäkel dabei und so kann es weiter gehen. Im Übungsprogramm geht es mit dem Code 0 weiter. Nächste Havarie: Wasserstag gerissen, Aufnahme des Gennakerbaums verbogen. Da brauchen wir wohl eine Schmiede.

Bei der Ersatzteilsuche stelle ich fest, das Wasser in einem Staufach steht. Die leichten Plastikflaschen Mineralwasser mit Kohlensäure halten wohl das Geschaukel nicht aus. Etliche sind geplatzt. Der Weinkarton ist durchweicht. Da muss der Wein jetzt wohl dran glauben. Wir haben zum ersten Mal so einen Karton an Bord. Ich bin sehr skeptisch was die Qualität angeht, gebe aber zu, dass sich der Wein so super hält. So kann ich auch mal nur ein Glas Wein trinken und Thomas bleibt beim Bier.

eingeparke PolkaWir haben erst mal genug und fahren in Lundeborg ein. Hier ist schon alles voll und wir müssen uns ein eine kleine Lücke in zweiter Reihe einfädeln. Da kommen dann noch einige Boote dazu.

Später kommt noch ein Mini-Fahrer auf einer Zero Einhand in den Hafen. Der Mini hat keine Nummer. Wir dachten immer, eine Nummer bekommt man automatisch. Ist aber nicht so. Es gibt scheinbar auch eine Menge Minis ohne Nummer. Der Skipper ist super nett. Er ist mit seinem Mini durch den NOK aus Hamburg gekommen. Wir unterhalten uns eine Weile. Die Einladung zum Bier lässt er allerdings aus. Vielleicht beim nächsten Mal.

Nicht duch die Große Belt Brücke geschafft

Reise Nr. :
Datum: 20-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 16 sm    signifikantes Wetter: Sonne und Wind

verbogener Bolzen

Erst mal ein schönes Frühstück mit Meerblick. Die Tischdecke haben wir von der Argo mitgenommen. Ist doch viel schöner so, besonders wenn der Tisch mal nicht ganz so gepflegt ist. Heute steht die Große Belt Brücke auf dem Programm. Da sind wir bislang nur mit Motorunterstützung durch.

Frühstück in Lundeborg

Große Belt Brücke

Wir haben es im ersten Anlauf nicht durch die Große Belt Brücke geschafft. Es ging genau gegenan. Also kreuzen durch die Brücke. Thomas an der Pinne. Wenn es eng wird, wollen wir die Backstagen einfach lose stehen lassen. Ist nicht so viel Wind und wenn der von vorne kommt, geht das schon mal.

Große Belt Brücke

Wir haben es fast geschafft, aber eben nur fast. Am Ende haben wir keinen Schwung mehr und bleiben mit unserem Gennakerbaum an der Brücke hängen. Thomas wirft den Baum los, aber der Beschlag ist nun endgültig verbogen und muss gerichtet werden. Warum hat das Aufkreuzen nicht geklapp? Wir haben das eine Backstag nicht losgeworfen. Beide dachten dann wohl, lose ist es schon, denn das war ja der Plan. Nach dieser Erkenntnis will Thomas sofort einen zweiten Anlauf nehmen. Ich bin dagegen. Das sollten wir vorher nochmal üben. Wir beschließen, nach Nyborg zu fahren. Da finden wir heute vielleicht noch eine Werkstatt. Es ist Freitag.

Nyborg ist uns sehr sympathisch, hier gibt es noch eine reiche Auswahl an Boxen als wir um 13:30 einlaufen. Aber als wir uns zu einer Werkstatt durchfragen wollen, ernten wir nur ungläubige Blicke. Eine Werkstatt am Freitagnachmittag? Spätestens um 14 Uhr ist in Dänemark Wochenende. Glückliches Volk, unglückliche Segler. Thomas versucht sich also selbst an der Reparatur. Mit einem entsprechenden Hebel muss doch auch V4A beizukommen sein. Als Hebel dient die Gennakerbaum-Stütze. Aber wo kann der Bolzen fixiert werden?

Zwei Stunden und viele Flüche später ist der Beschlag wieder einsatzbereit

Bei den ersten Versuchen mit diversen Steinen verbiegt nur die Aufnahme.

Öffnung richten

Das kann Thomas richten, jedoch nicht ohne schmerzliche Nebeneffekte.

Verband

Mit einem Gullideckel klappt es schließlich. Wir können also morgen wieder versuchen, durch die Große Belt Brücke zu segeln.

Segeln durch die Große Belt Brücke

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 21-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 57 sm    signifikantes Wetter: Sonne und wenig Wind

Sonnenuntergang vor Bogense

Wir stellen uns erneut der Brücke. Vor der Durchfahrt üben wir einhand zu Wenden. Die Große Belt Brücke ist heute kein Problem. Wir haben leichten halben Wind und müssen nicht kreuzen. Nach der Brücke ist der Wind schlagartig weg. 200 – 300 Meter dümpeln wir so dahin, dann ist der Wind wieder da und wir setzen den Code 5. Das läuft gut und so segeln wir der Nordostspitze Fünens entgegen. Hier gibt es ein enges Fahrwasser zwischen zwei Flachs hindurch. Die schaffen wir so grade noch, bevor der Wind stark zunimmt. Inzwischen steht der Code 0. Mit 8 Knoten fahren wir jetzt Richtung Bogense. Das ist Minifahren.

Bogense erreichen wir mitten in der Nacht bei absoluter Dunkelheit. Die Einfahrt ist ein bischen tricky, denn auf unserem Fischfinder ist besonders bei Nacht wenig zu sehen. Wir können das Leitfeuer einfach nicht ausmachen und so segeln wir einmal die Küste auf und ab und entschließen uns dann, die Anfahrt nach Kompasskurs zu machen. Und wirklich finden sich die Tonnen da wo wir sie vermuten.

In den Yachthafen wollen wir so spät nicht mehr einlaufen, der ist sicher voll. Wir gehen in den alten Hafen und legen uns längsseits an einen Tradi. Der Käpt’n raucht grade noch seine „Gute Nacht Zigarette“ und lässt uns anlegen. Wir müssen ihm aber hoch und heilig versprechen, dass wir morgens früh wieder weg sind, da dort am nächsten Tag die Tradiregatta rund Fünen ist und dann noch viele weitere Tradis kommen. Wir versprechen es und legen auch gleich morgens früh wieder ab. Kurs Kleiner Belt.

Durch den kleinen Belt

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 22-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 40 sm    signifikantes Wetter: Sonne und wenig Wind

Die Große Belt Brücke ist heute kein Problem. Wir haben leichten halben Wind und müssen nicht kreuzen.

Wir stehen früh auf, denn heute ist Traditreffen in Bogense, da müssen wir unseren Platz im alten Hafen räumen. Bei wenig Wind zuckeln wir zum kleinen Belt. Zwischendurch kann ich von Bord baden. Die Polka in Schleichfahrt und schwimme nebenher.

Im kleinen Belt nimmt der Wind wieder zu. Er kommt von vorne und so kreuzen wir gegen Wind und Strom durch den Belt und die zwei Brücken. Das macht Spaß!

Kleine Belt Brücke

Denn Code 0 zu setzen klappt dagegen nicht. Ein Block ist defekt und muss ersetzt werden. In Assens gibt es einen tollen Laden für Segelbedarf direkt im Hafen. Da bekommen wir sicher Ersatz.

Gegen den Strom durch den Svendborgsund

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 24-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 40 sm    signifikantes Wetter: Sonne und wenig Wind

Skarø

Wir fahren früh los, denn bei dem leichten Wind wird es ein weiter Weg bis Svendborg. Frühstück gibts an Bord.

Frühstück an Bord

Vor Skarø schläft der Wind leider völlig ein. Da wir aber gerne den Svendborgsund einmal nachts fahren wollen, werfen wir um 22:45 ausnahmsweise mal den Motor an. Der hat es schwer auf dieser Fahrt, denn es steht ordentlich Strom gegenan. Die Durchfahrt ist nachts nur mit Fischfinder auf dem man nix sieht spannend. Richtfeuer in Deckung bringen, mit der Taschenlampe die unbeleuchteten Tonnen suchen und den Tiefenmesser im Auge behalten. Hinter der Brücke befreien wir den Motor und die Ruder von dem eingefangenen Seegras. Wer weiß, wie viel davon noch am Kiel hängt. Jedenfalls macht der Motor schlapp. Mit einem letzten Röcheln schaffen wir es noch an die Kaimauer vor den Segelmacher. Thomas macht den Motor auf: Zylinderkopfdichtung kaputt? Wir gönnen uns zwei warme Bier aus dem Bodenfach und überlegen, wie wir nun an einen neuen Motor kommen.

Üben, üben, üben

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 27-07-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 24 sm    signifikantes Wetter: Sonne und Wind

blauer Himmel

Endlich wieder Wind, wir üben fleißig Einhandwenden, Ein- und Ausreffen und setzen den Code 0. Leider kommen wir nicht über 8 Knoten und kommen nicht ins Gleiten. Es ist zu wenig Wind. Oder machen wir noch etwas falsch?

In Nyborg gibt es wieder entspannt Liegeplätze.

Endlich Gleitfahrt!

Jahr:          Reise Nr. :
Datum: 27-06-2018
Ausgangshafen :          Zielhafen :
Distanz: 35 sm    signifikantes Wetter: Segeltraum

Heute soll es klappen mit der Gleitfahrt. Der Gennakerbaum steht solide, der Wind weht ordentlich bei noch wenig Welle. Wir haben alles Gepäck nach vorne geräumt. Ein langer Schlag um Raum zu gewinnen und dann geht es ab, wir gleiten zum ersten Mal!

Die Polka fährt dabei schön geradeaus und führt sich gar nicht zickig auf. So macht das Spaß!

Wir fahren zurück nach Nyborg. Wir sind geschafft und der Wind nimmt immer mehr zu. In Nyborg finden wir wieder eine Box. Nyborg ist ein idealer Ausgangshafen für Trainingsfahrten. Nicht so voll, draußen im Belt viel Platz und eine gute Versorgung in Hafennähe. Na gut, das Flair läßt zu wünschen übrig, aber das ist dieses Jahr nicht unser Problem, wir wollen nur segeln.