Sportseeschifferschein

7 Tipps für die SSS-Praxisprüfung

Segelpodcast

Wir haben im August 2018 unsere Prüfung zum Sportseeschifferschein (SSS) gemacht. Da es seit dem Jahr eine neue Prüfungsordnung gibt, wollen wir euch ein wenig darüber berichten und evtl. ein paar Tipps geben. Das Bild ist unser neues Podcast-Logo. Schaut doch mal auf iTunes, Spotify, oder eurem Lieblings Podcast-Feeder vorbei!

Hier kommen unsere 7 Tipps für die Prüfung.

1.Theorie gut vorbereiten

Wir hatten alle schon die theoretischen Prüfungen zum SSS in der Tasche. Also Haken hinter die Theorie setzen? Weit gefehlt. Die Prüfer haben uns ausführlich an Bord befragt. Unser Skipper hat uns zum Glück in der Woche vor der Prüfung darauf vorbereitet (Stichwort “Bootcamp”). Alleine hätte ich die Vorbereitung auf die Theoriefragen in der praktischen Prüfung unterschätzt. Wir haben tatsächlich alle Notrollen (Mann über Bord, Feuer, Wassereinbruch, Sturm, Mastbruch, Ruderschaden, Rettungsinsel klarmachen, Motorschaden) durchgesprochen und schriftlich festgelegt. Also: Welche Aufgaben werden im Notfall von welchem Crewmitglied übernommen. Wir wussten auch alle, wo die benötigten Ausrüstungsgegenstände an Bord zu finden sind: Wo ist das Werkzeug, Seenotsignale, Bootsmannstuhl, Lochpfropfen, etc….

Während der Prüfung wurden wir dann befragt: Was macht man, wenn der Motor zu heiß wird?  Das ging so in die Richtung: Abklopfen, ob der Prüfling sich in Notfällen zu helfen weiß. Dann ging es um Rettungsaktionen. Wir hatten in der Prüfungsvorbereitung praktisch ausprobiert eine Person mit dem Rettungssegel zu bergen. Das konnten wir anschaulich berichten und zeigen, dass wir uns ausführlich mit dem Problem befasst haben. Da kann man dann ruhig ins Detail gehen: Wie schlägt man das Segel so an, dass die Person nicht zwischen Boot und Segel durchrutscht. Die Prüfer haben ja nur begrenzt Zeit, also wenn man über ein Thema gut bescheid weiß: Reden, reden, reden. Wie bringt man die Rettungsinsel aus? Wieder reden, reden, reden.

Dann waren die Revierkunde und Törnplanung ein großes Thema: Wann geht hier welcher Strom, wie fahre ich am Besten bei starkem Wind nach Den Helder. Hier hat gepunktet, wer den Revierführer vorher mal in der Hand gehabt hat.

2. Bei Hafenmanövern wird die ganze Mannschaft geprüft

Bei Hafenmanövern haben die Prüfer immer die gesamte Mannschaft im Blick. Also nicht mit der Konzentration nachlassen, wenn ihr das Steuer aus der Hand gebt. Der Steuermann gibt zwar die Kommandos und jeder sollte nur auf Kommando handeln, es schadet aber nichts, schon an der richtigen Position zu stehen, wenn es so weit ist und keinen Leinensalat in der Hand zu haben. Ansonsten gilt: Klare Anweisungen geben, die Mannschaft sinnvoll einteilen und immer die Kontrolle über das Boot behalten. Und immer schööön langsam! Von schneidigen Manövern waren die Prüfer nicht beeindruckt. Beim Ablegen sollten bei uns alle nicht unbedingt benötigten Leinenverbindungen rechtzeitig gelöst werden. Also nicht zur Vorsicht noch die Achterleine locker mitführen wenn ihr durch Eindampfen in die Vorspring längseits vom Steg ablegt.

3. Klare Kommandos bei Segelmanövern

Die Segelmanöver waren bei uns unspektakulär: Wenig Wind. Ansonsten das gleiche wie im Hafen: Klare Kommandos geben und souverän schauen. Abgefragte Manöver waren Segelsetzen,Wende, Halse, Beiliegen, später Segel bergen. Ja, auch Beiliegen. Wir hatten das zum Glück im Vorfeld geübt. Dennoch war das für alle nicht ganz einfach. Auch wenn das selbstverständlich sein sollte, alle Manöver so oft wie möglich üben, damit die Prüfer einen guten Gesamteindruck von euch haben.

4. Motor benutzen beim Boje über Bord Manöver

Nach der neuen Prüfungsordnung kann das Boje über Bord Manöver mit Motorunterstützung gefahren werden. Wir haben die Prüfer vorher dazu befragt und die klare Ansage bekommen: Immer mit Motorunterstützung fahren und den Motor auch einsetzen, also kräftig Gas geben und zügig zur Boje fahren. In der Vorbereitung hatten wir alle Varianten (Quickstop, Teardrop usw.) ausprobiert, gefahren sind wir dann alle klassisch die Q-Wende. Das Vorsegel haben wir dabei möglichst schnell eingerollt. Wir hatten uns vorher genau abgesprochen, wie derjenige der die Boje aufnimmt den Steuermann zur Boje lotst. Wie weit sind 10 Meter? 10 Meter sind ganz schön dicht, wenn man noch viel zu schnell ist, und noch weit weg, wenn man schon fast steht. Waren wir zu schnell, hat der Fänger eher 5 Meter angesagt, waren wir zu langsam eher 15. Wenn die Boje nicht mehr zu sehen ist: Auskuppeln! Wenn man noch zu schnell ist beim Erreichen der Boje kann man eventuell mit starken Ruderausschlägen bremsen.

5. Wetterkarten zeichnen

Wir haben in der Vorbereitung jeden Morgen eine Wetterkarte gezeichnet und uns überlegt, wie das Wetter wird. Die Aufzeichnungen haben wir den Prüfern gezeigt und das Wetter vom aktuellen Tag erklärt. Das schindet Eindruck. Dann gab es noch ein paar allgemeine Fragen zum Wetter. Wer gut auf die theoretische Prüfung vorbereitet ist, hat hier keine Probleme.

6. Für die terrestrische Peilung: Karten auswendig kennen

Peilen haben wir kaum geübt, können wir ja. In der Vorbereitung hatten wir mit kleinen Sportbootkarten vor der Hafeneinfahrt gearbeitet, in der Prüfung haben wir uns dann außerhalb dieser Karte wiedergefunden. Das hat Zeit gekostet, nun mussten wir uns erst orientieren: Welche Objekte sind auch in der großen Karte dargestellt? Aber auch hier: Nicht aus der Ruhe bringen lassen, Peilen können wir schließlich alle. Die Prüfer haben hier ein wenig Druck aufgebaut: “Sie befinden sich in einer Notsituation, Sie brauchen schnell eine Position”. Wer sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lässt, bekommt hier Punkte.

7. Radarpeilung ist schwierig

Das war die Disziplin, an der in unserer Prüfung die meisten Kandidaten gescheitert sind. Zunächst musste man zeigen, dass man das Gerät verstanden hat, bedienen kann und erklären kann was sich gerade so auf dem Schirm tut. Dann musste der Standort bestimmt werden. Das war mangels peilbarer Objekte gar nicht einfach. Also mein Tipp, besonders für die, die auf dem eigenen Schiff kein Radar haben: Üben, üben, üben. Nicht auf Lücke arbeiten, das reicht hier nicht. Wenn ihr mit mehreren Schülern die Vorbereitung fahrt, könnt ihr immer mal zwischendurch runter gehen und eine Radarpeilung machen. Dann mit GPS die Koordinaten kontrollieren. Das schafft Sicherheit!

Unsere Tipps für die theoretische Prüfung Navigation gibt es hier, inklusive einem Tool um die Übungskarte zu lernen:
theoretische Prüfung Navigation

Wir fanden auch den Kommentar von Ekkehard sehr hilfreich

Moin,
schön, wie ihr eure Erfahrungen beschrieben habt. Die Theorieprüfungen sind bei mir schon etwas her und wegen Corona ist die praktische Prüfung 3-mal verscheben worden. Beim 4. Termin hat es jetzt geklappt.
Erfreulicherweise war ich bei der Praxis total entspannt und konnte das Geübte abspulen. Habe – so wie ihr es empfohlen habt – alles mit vile Ruhe gemacht / die Crew machen lassen. Wir waren zu 3.
Habe eigentlich alles was von mir gemacht wurde zuvor kommentiert, wie beim Ablegen mit Wind von backbord vorlich und nur noch die Luv Achterleine hielt uns: „wegen der Böe gebe ich noch etwas mehr Gas, um den Bug nahe am den Luvpfahl zu halten, und dann gleich los.“ oder an die Crew: „lasst Euch Zeit beim Klarmachen von Deck und Segeln zum Auslaufen, wenn es nicht reicht, drehe ich noch einen Kringel vor der Ausfahrt“ oder „ich gebe jetzt etwas mehr Gas, umd mehr Ruderdruck zu haben, da ich näher an die festgemachten Yachten gehe, um dem Überholer mehr Platz zu geben.“
Bei MOB Manöver laut mitgeteilt: „Maschine ist ausgekuppelt“ und die Kommandos an die Crew kurz und laut.
Bei Notfall „Kommando eine Prüfers“ Maschinenausfall im Nebenfahrwasser auf dem Weg zum Hauptfahrwasser. Habe ich sofort ausgekuppelt, den deutlichen Blick rundum und Verklicker, und klare Kommandos an Crew, warum und wieviel Segel wie zu setzen ist.
Radar, Wetter und Technik war nett als Fachgespräch aus meiner Sicht zu sehen. Keine Falle, auch mal was nicht gewusst, anderes habe ich weit ausgeholt. Beide Prüfer zufrieden.
Keine Gemeinheiten, alles Fair.
Eine Falle (?) zu Anfang: vor dem Auslaufen habe ich die Crew mit Aufgaben der Vorbereitung eingedeckt, habe erklärt, dass Bilge, Luken, Maschine gecheckt sind und alles Seegerecht verstaut ist. Bin dann aber auf innere Eingebung hin unter Deck und habe gesehen, dass Geräte verstellt und Kartenmatarial weg geräumt war. Habe erst mal alles entsprechend vorbereitet und auch ungefragt vom Kanal 16 zw. dem Revierkanal und Dualwatch erzählt. Dann: siehe Oben.

Wir freuen uns auch über weitere Kommentare zur SSS-Praxisprüfung. Wie war eure Erfahrung? Oder möchtet ihr vielleich sogar einen Gastartikel zu dem Thema hier posten?

Info: Sportseeschifferschein

Den Sportseeschifferschein (SSS) brauchst du, wenn du Sportboote gewerblich fahren willst. Der Schein gilt für küstennahe Gewässer (bis 30 Seemeilen vom Land entfernt, die ganze Nord- und Ostsee und ein paar weitere Gewässer). Die Einzelheiten kannst du hier nachlesen: Rechtliche Grundlage SSS. Am 10. Mai 2017 ist eine neue Prüfungsordnung in Kraft. Voraussetzung für den Erwerb ist, das du mind. 16 Jahre alt bist, den SBF-See hast und 1000 Seemeilen in küstennahen Seegewässern nach Erwerb des SBF-See als Wachführer oder dessen Vertreter gefahren bist. Dazu musst du ein entsprechendes Formblatt ausfüllen. Auf Nachfrage musst du diese Meilen auch mit Logbüchern oder Meilenbüchern belegen können. Neu ist, das man in der praktischen Prüfung nur noch einen Versuch für jedes Manöver hat und das immer beide Prüfer die Manöver gemeinsam beurteilen.

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Moin,
    schön, wie ihr eure Erfahrungen beschrieben habt. Die Theorieprüfungen sind bei mir schon etwas her und wegen Corona ist die praktische Prüfung 3-mal verscheben worden. Beim 4. Termin hat es jetzt geklappt.
    Erfreulicherweise war ich bei der Praxis total entspannt und konnte das Geübte abspulen. Habe – so wie ihr es empfohlen habt – alles mit vile Ruhe gemacht / die Crew machen lassen. Wir waren zu 3.
    Habe eigentlich alles was von mir gemacht wurde zuvor kommentiert, wie beim Ablegen mit Wind von backbord vorlich und nur noch die Luv Achterleine hielt uns: „wegen der Böe gebe ich noch etwas mehr Gas, um den Bug nahe am den Luvpfahl zu halten, und dann gleich los.“ oder an die Crew: „lasst Euch Zeit beim Klarmachen von Deck und Segeln zum Auslaufen, wenn es nicht reicht, drehe ich noch einen Kringel vor der Ausfahrt“ oder „ich gebe jetzt etwas mehr Gas, umd mehr Ruderdruck zu haben, da ich näher an die festgemachten Yachten gehe, um dem Überholer mehr Platz zu geben.“
    Bei MOB Manöver laut mitgeteilt: „Maschine ist ausgekuppelt“ und die Kommandos an die Crew kurz und laut.
    Bei Notfall „Kommando eine Prüfers“ Maschinenausfall im Nebenfahrwasser auf dem Weg zum Hauptfahrwasser. Habe ich sofort ausgekuppelt, den deutlichen Blick rundum und Verklicker, und klare Kommandos an Crew, warum und wieviel Segel wie zu setzen ist.
    Radar, Wetter und Technik war nett als Fachgespräch aus meiner Sicht zu sehen. Keine Falle, auch mal was nicht gewusst, anderes habe ich weit ausgeholt. Beide Prüfer zufrieden.
    Keine Gemeinheiten, alles Fair.
    Eine Falle (?) zu Anfang: vor dem Auslaufen habe ich die Crew mit Aufgaben der Vorbereitung eingedeckt, habe erklärt, dass Bilge, Luken, Maschine gecheckt sind und alles Seegerecht verstaut ist. Bin dann aber auf innere Eingebung hin unter Deck und habe gesehen, dass Geräte verstellt und Kartenmatarial weg geräumt war. Habe erst mal alles entsprechend vorbereitet und auch ungefragt vom Kanal 16 zw. dem Revierkanal und Dualwatch erzählt. Dann: siehe Oben.

    1. Moin Ekkehard,
      vielen Dank für den ausführlichen und wirklich spannenden Kommentar. Alleine wie du das schilderst, würde ich dich von hier aus ohne Einschränkungen bestehen lassen ;-).
      Dein Kommentar hat uns so gut gefallen, dass wir ihn gleich ans Ende unseres Artikels eingebunden haben. Dabei kam uns die Idee, dass wir auch gerne komplette Gastartikel zur praktischen SSS Prüfung einbinden würden. Wenn du also Lust hast, deine Erfahrungen in einen kompletten Artikel zu schreiben, würden wir den super gerne bei uns aufnehmen. Das hilft weiteren Prüflingen sicherlich außerordentlich, wenn sie mehrere Sichtweisen von der Prüfung bekommen. Der Artikel gehört tatsächlich zu dem meist gelesenen auf unserer Seite.
      Wir würden uns jedenfalls sehr darüber freuen.
      Viele Grüße und nochmal vielen vielen Dank für deinen Kommentar
      Katrin und Thomas

  2. Hallo, Katrin, hallo Thomas, guten Tag!
    Für alle darunter liegenden Prüfungen (SBF-Binnen/See, SKS, UBI, SRC, LRC) gibt es online Fragenkataloge sowie, außer beim SKS, auch die Fragenzusammensetzung der Prüfungsbögen. Gibt es so etwas auch für den SSS?
    Allzeit eine handbreit Wasser unterm Kiel,
    Manfred

    1. Hallo Manfred,

      einen offiziellen Fragenkatalog für die SSS-Prüfung gibt es soweit wir wissen nicht.
      In den einschlägigen Lehrbüchern sind aber Fragen enthalten.
      Spannend wird es bei den übungsintensiven Themen wie Gezeiten und Radarplotten. Da hätte ich gerne mehr Übungen gehabt. Wenn man zu zweit übt, kann man sich gegenseitig Aufgaben stellen.

      Hilfreich sind die Übungsbücher:
      -Übungen und Aufgaben Sportseeschifferschein von Herdam / Schulz, ISBN 978-3-7688-1842-1, Delius Klasing Verlag
      -Übungsaufgaben SSS + SHS, ISBN 978-3-88412-468-0, Delius Klasing Verlag
      Da sind aus allen Bereichen Fragen enthalten, die denen in der Prüfung sehr nahe kamen.

      Auch toll waren die Übungsaufgaben von Lutz Böhme http://www.lutzboehme.de/segeln/sss.htm.
      Hier gibt’s noch Aufgaben ohne Lösung: https://www.kommerell.de/segeln/scheine/theorie.htm.
      Beim Radarplotten könnte dieses Programm helfen: http://www.brainaid.de/people/ecd/radarplot/. Radar war aber nicht so mein Lieblingsthema, deshalb habe ich es nicht ausprobiert.

      Bei einer guten Ausbildung in einer Segelschule sollte man zu den übungsintensiven Themen auch ergänzende Übungsaufgaben bekommen.

      Viele Grüße und viel Erfog bei der Prüfung

      Katrin und Thomas

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