Logbuch

Absegeln 2020

Freitag, 23.10.2020 13:30 Uhr

Es geht los, zum letzten Mal dieses Jahr POLKA segeln. Der Plan ist Schleimünde. Da waren wir dieses Jahr noch nicht und einmal im Jahr wollen wir auf der Bank sitzen und auf die Schlei gucken. Letztes Jahr waren wir auch erst am Ende der Saison dort.

Das Wetter spielt mit. Samstag soll es nur etwas und Sonntag etwas mehr regnen. Dabei soll ein kräftiger Wind aus West gehen.

Wir brauchen einige Zeit, bis wir die ganzen dicken Klamotten auf der Polka verladen haben. Dazu eine neue Genua, die wir eventuell kaufen wollen. Sie ist gebraucht, aber in Top Zustand.

Freitag, 23.10.2020 14:00 Uhr

Wir starten den Motor. Er springt recht gut an. Beim ersten Gas geben ruft mir Katrin von der Pinne zu, dass der Motor nicht richtig läuft. Ich gehe mit den Vorleinen nach hinten und in dem Moment geht er aus. Er springt zwar direkt wieder an, nimmt aber kein Gas. Nur sehr widerwillig kommt er auf Touren, nur um dann gleich wieder abzusterben. Wir suchen uns eine freie Box. Zu dieser Zeit des Jahres nicht besonders schwer. Dann geht es an die Fehlersuche. Also Deckel ab und erst mal laufen lassen und gucken. Nach 10 Minuten, ich habe überall dran rumgefummelt und dran gewackelt läuft er wieder. Deckel drauf, Gas geben und ….. wieder aus.

Mir kommt die Idee, dass es etwas mit der Luft zu tun haben muss. Ohne Deckel gut, mit Deckel schlecht ist recht eindeutig. Mittlerweile wird der Mann auf dem Nachbarboot auf uns aufmerksam. Netter Kerl. Er erzählt uns, dass er und seine Frau grade von einer drei jährigen Tour über den Atlantik wiedergekommen sind. Keine Zeit zum Träumen, ich bastele weiter. Der Luftfilter ist ein kleines Kunststoffteil am Vergaser, befestigt mit zwei Schrauben. Ich entschließe mich, den Luftfilter abzunehmen und sauber zu machen.

Leider Millisekunden zu spät merke ich, dass die beiden Schrauben durch den kompletten Vergaser gehen und einiges mehr festhalten. So kam es, wie es immer kommt. Gerade als ich versuche den Luftfilter abzunehmen rutscht ein kleines Kunststoffteilchen ab und landet im Wasser. Es verschwindet auf 2,70 Metern Wassertiefe, wobei es in Zeitlupe Richtung Grund gleitet. Mist. Bei dem Kunststoffteil handelt es sich offensichtlich um ein Distanzstück. Ich baue alles wieder zusammen und starte den Motor. Er läuft sauber, allerdings mit gewaltiger Drehzahl.

Ich wechsle einen Blick mit Katrin. Wir sind uns einig, Schleimünde liegt auf 2,70 Metern Wassertiefe. Bei den Windvorhersagen für morgen wollen wir nicht mit einem defekten Motor los und wenn der Motor morgen nicht laufen sollte, unter Segeln aus der Schlei fahren.

Wir beschließen nach Dietrichsdorf zum Winterlager zu fahren.

Freitag, 23.10.2020 15:00

Wir ziehen uns aus der Box. So muss ich nur einmal bei den hohen Drehzahlen schalten. Mit lautem knallen springt der Vorwärtsgang rein. Im Standgas geht’s in Richtung Hafeneinfahrt. Da der Wind aus Westen kommt, fahren wir bis zu der langen Hafeneinfahrt von Wendtorf unter Motor und setzen dann vorne an der Ecke die neue Genua. Sofort nimmt die POLKA fahrt auf. Die Genua macht einen spitzen Eindruck.

Ich mache den Motor aus und klappe ihn hoch. Der hat erst einmal Pause. Vorne an der Ansteuerungstonne ziehe ich noch das Groß hoch und ab geht es. Wir überqueren die Fahrrinne in Richtung Bülker Leuchtturm. Am Leuchtturm ruft mir Katrin zu, dass vorab ein weiteres Squarehead Segel zu sehen ist.

Wir treffen Fabian, der auf einen Crepes in Damp war und jetzt auf dem Weg zurück nach Schilksee. Wir begleiten ihn ein paar Meter, bis er abdreht.

Dann kommt auch schon der nächste Mini in Sicht. Die Nummer 419. Den Skipper kennen wir nicht, winken uns aber gegenseitig nett zu, bevor er Richtung Leuchtturm davonrauscht. In Strande haben sich ein paar Minis für das Herbsttraining eingefunden. Lina hatten wir einen Tag vorher schon dort getroffen. Sie hat uns die Genua aus Hamburg mitgebracht.

Freitag, 23.10.2020 16:30

Warum hat man in der Förde immer den Wind von vorne? Mittlerweile kommt der Wind aus Süd Süd West, also fast gegenan. Wir haben Spaß beim Wenden, ich habe unsere neue Camera in der Hand und versuche Seezeichen, Handelsschiffe und alles interessante zu fotografieren. Felix aus Hamburg hat uns einen Kommentar hinterlassen. Er bat uns im Rahmen unserer Trainigsmaßnahmen für den SBF See ein paar Fotos mit Seezeichen etc. zu zeigen. Solltet ihr euch noch nicht auf diesem Blog umgesehen haben, wir machen Potcasts und vieles weiteres Interessantes unter anderem rund um den SBF See.

Um 18 Uhr wird es langsam dunkel. Es ist eine tolle Atmosphäre nachts auf der Förde zu segeln. Katrin hat Spaß mit einer Truppe Jugendlicher auf einer Folke. Sie lässt sich auf ein Rennen ein. Die Folke, beladen mit 5 Personen, hat allerdings keine Chance. Zu wenig Wind für zu viel Gewicht. Irgendwann werfen sie ihren Motor an und brausen davon. Der Wind ist inzwischen so gut wie eingeschlafen.

Wir sind so von der Genua angetan, dass ich gleich mal bei Uwe, den Verkäufer, anrufe. Wir quatschen eine Stunde und am Ende einigen wir uns auf einen Preis. Die Höhen und Tiefen eines Segeltages.

Kurzes Lob an den Fährkapitän, der mit dem Fördedampfer hinter uns in die Schwentine fährt. Er wartet so lange, bis wir wenden und überholt uns dann vorsichtig. Der Wind kommt in der Schwentine aus Ost. Wie macht der Wind das, dass er immer gegenan kommt. Komisch. Der Fördedampfer passt auch beim zurück fahren gut auf uns auf. Um zehn Minuten vor neun erreichen wir den Hafen. Es ist sogar noch eine Box frei. Wir sprechen den Stegnachbarn an. Eine Nacht können wir mindestens bleiben.

Ohne großes Trara gehen wir nach Hause. Morgen können wir aufräumen.

Samstag, 24.10.2020 10:00 Uhr

Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Boot und treffen Tim, den Hafenmeister. Kein Problem, natürlich könnt ihr über das Wochenende hierbleiben. Wir räumen das Boot auf und fangen dann an, den Mast zum Legen vorzubereiten.

Großsegel einpacken, Baum ab, Wanten lösen, Backstagen abbauen. Gegen Mittag kommt Karl zum Helfen. Wir fahren unter den Mastkran und legen den Mast, das erste Mal ganz ohne Probleme. So gut ist das noch nie gelaufen. Dann befestigen wir noch den Mast an Deck und tragen die ersten Sachen ins Auto. Um 17 Uhr sind wir zuhause. Passt, um 18 Uhr wird die Borussia gegen Schalke mit 3 zu 0 gewinnen. Wieder ein toller Tag.

Sonntag, 25.10.2020

Heute machen wir mal…nichts am Boot. Ich gehe erfolglos angeln und Katrin hat einen Auftritt mit ihrem Akkordeon. Sie spielt mit ihrer Band in Kiel.

Montag, 26. 10 2020 10 Uhr

Heute ist Krantermin. Um 11 Uhr soll es losgehen. Wir machen noch schnell ein paar Vorbereitungen. Den Mast noch mal nachziehen, Funk und Plotter abbauen. Dann legen wir schon mal Leinen bereit und warten auf die Jungs vom Hafen. Vorher ist noch eine Maxi dran. Der Eigner klärt uns auf, dass eine Maxi der Golf der Ostsee ist. Ich habe ihm vorher beim Anlegen geholfen. Sein Bruder ist abgesprungen und so ist er allein unterwegs. Sein Golf ist total voll mit Muscheln. Oh man, er sollte sich mal über sein Antifouling Gedanken machen.

Ich diskutiere eine ganze Zeit mit Tim und Reiner, wohin sie unsere POLKA stellen. Am Ende einigen wir uns darauf, dass sie ohne Mast an die Seite mit den frühen Booten kommt. Spätestens Mitte April geht es wieder raus.

So müssen wir den Mast wieder losbinden. Tim hebt ihn mit seinem Kran auf den Mastenwagen. Dann ist die POLKA dran. Die Jungs sind so eingespielt, dass wir nicht einmal eine Leine halten müssen. 5 Minuten später steht die POLKA auf ihrem Winterlagerbock. Bei der anschließenden Arbeitsteilung habe ich ganz gewaltiges Glück. Ich nehme die Wanten und Salinge vom Mast ab und Katrin reinigt das Boot. Wenn der Schmier nicht gleich runterkommt, solange er noch nass ist, muss man ihn abschleifen.

Nach einer halben Stunde bin ich fertig und Katrin plitsch nass. Sie fährt nach hause und kann sich abduschen und ich zahle das Kranen und pack den Mast zusammen mit Tim ins Mastenlager in die Halle.

Bis auf das kleine Malheur mit dem Motor ein rundum gelungenes Wochenende. Wenn nur jedes Ein- und Auslagern so problemlos laufen würde. Wir freuen uns schon mal auf die nächste Saison, dann hoffentlich ohne Coronaverspätung wie dieses Jahr.

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